Falls Sie den gewohnten Text verwenden wollen, finden Sie ihn in Ihrer Bibel:
Lukasevangelium, Kapitel 2, Verse 1-20 — oder im Internet: www.bibleserver.com

Weihnachtsevangelium  (Kurzversion)

Josef musste mit Maria nach Bethlehem. Viele Leute waren auch auf dem Weg dahin — zu einer Volkszählung. Augustus, der Kaiser von Rom, wollte es so. Als Maria und Josef da waren, bekam Maria ihr Kind. Aber nirgendwo war Platz für sie. Da wickelte Maria ihr Kind in Windeln und legte es in eine Futterkrippe. Und niemand achtete darauf — niemand. Denn alle meinten ja: wenn der Retter der Welt kommt, dann kommt er wie ein König. So achtete niemand auf das Kind in der Futterkrippe. Aber in der Nähe auf dem Feld waren Hirten, arme Leute, über die man schlecht sprach und von denen man nicht viel hielt. Sie wachten im Dunkeln über ihre Herden.

Da wurde es auf einmal hell um sie. Denn Gott sprach durch einen Engel zu ihnen: „Freut euch! Habt keine Angst! Euch ist heute in Bethlehem, in Davids Stadt, der Heiland geboren, der Herr, der Retter für alle Menschen. Ihr werdet ein Kind in einer Futterkrippe finden, in Windeln gewickelt. Ihr könnt euch überzeugen.Das ist das Zeichen“. Da sagten die Hirten: „Der Heiland der Welt? Ein Kind in einer Krippe? Wir gehen hin!“ Und sie liefen hin, fanden Maria und Josef und das Kind in der Krippe. Und sie erzählten freudestrahlend überall: „Der Retter ist geboren — ein Kind in Bethlehem, der Retter für uns und für alle, damit Friede wird. Freut euch! Da erkannten sie: Gott ist groß. Er hat es heute gezeigt. Alle sollen ‚‚ja’ zu ihm sagen. Auf Erden wird Friede anfangen, wo die Menschen dieses Geschenk Gottes annehmen und weitergeben“.

Weihnachtsevangelium (längere Version)

Es ist Winter. In Israel sind viele Menschen unterwegs – durch die Wüste, über felsige Berge, auf den staubigen Straßen. Sie reisen in kleinen Gruppen. Sie sind erschöpft. Wenn sie sich am Wegrand ausruhen und miteinander reden, hört man sie sagen: „Was soll denn dieser Befehl des Kaisers Augustus? Warum will er unser ganzes Volk zählen? So ein Unsinn!“

Alle gehorchen dem römischen Kaiser, weil sie Angst haben. Alle ziehen in das Dorf oder in die Stadt, aus der ihre Familie stammt. Dort müssen sie ihre Namen in Listen eintragen.

Auch der Zimmermann Josef ist unterwegs. Zusammen mit Maria hat er sich aufgemacht, von Nazaret nach Bethlehem, denn aus Bethlehem stammt die ganze Familie Davids. Lang ist die Reise. Staubig und mühevoll ist der Weg. Maria erwartet ihr erstes Kind.

Kurz nachdem sie in Bethlehem angekommen sind, wird das Kind geboren. Nur in einem leeren Stall außerhalb der Stadt haben Maria und Josef Platz gefunden. Dort wickelt Maria den kleinen Jungen in Windeln und bettet ihn in eine Futterkrippe. „Jesus soll er heißen, so hat es mir der Engel Gabriel gesagt.“

In der Nähe von Bethlehem hüten Hirten ihre Herden; nachts bleiben sie auf dem Feld, um auf die Schafe aufzupassen. So ist es auch in dieser Nacht, in der Jesus geboren wird. Die Hirten sind eingeschlafen. Sie liegen neben dem Feuer; die Reste der Glut wärmen sie.

Doch da schrecken sie auf einmal auf den Schlaf auf. Ein heller Schein umgibt sie mitten in der Nacht. Ein Engel Gottes, strahlend hell, steht vor ihnen und sagt: „Habt keine Angst! Fürchtet euch nicht! Ich bin gekommen, um euch eine gute Nachricht zu bringen. Diese Nacht ist eine Freudennacht für alle Menschen der Erde. In der Stadt Davids ist heute euer Retter geboren, Christus, auf den ihr alle wartet. Ihr werdet ihn in einem Stall finden und werdet ihn sofort erkennen: Als kleines Kind kommt er zu euch; er ist in Windeln gewickelt und liegt in einer Futterkrippe, nicht weit von hier.“

Und plötzlich steht ein ganzes Heer von Engeln bei den Hirten. Sie loben Gott und singen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden für alle Menschen. Denn Gott hat die Menschen lieb.“

Dann entschwinden die Engel. Es wird wieder dunkel. Die Hirten aber zünden die Laternen an und sagen zueinander: „Kommt schnell, wir wollen den Stall suchen. Wir wollen das Kind sehen, von dem der Engel erzählt hat.“

In der Dunkelheit lassen sie die Schafe zurück. Mitten in der Nacht gehen sie über Hügel und Felder, bis sie das Kind mit Maria und Josef finden. Es liegt in der Futterkrippe, genau wie der Engel es ihnen gesagt hat.

„Jesus heißt er“, sagt Maria leise zu den Hirten, die niederknien. Und die Hirten antworten, nachdem sie das Kind lange angeschaut haben und eng zusammengerückt sind: „Wir wissen, dieses Kind ist unser Retter. Darum sind wir gekommen. Und jetzt wollen wir auf den Weiden, in den Dörfern und Städten weitersagen, was wir gesehen haben: Unser Helfer ist geboren worden! Und wir armen Hirten, denen niemand traut, wir haben ihn als Erste gesehen.“

Und während die Hirten wieder zurückkehren zu ihren Schafen, über Hügel und Felder, in der dunklen Nacht, denkt Maria über alles nach, was die Männer gesagt haben. Sie weiß: Dieses kleine, schutzbedürftige Kind heiß Sohn Gottes. Ein guter König wird es sein. So hat es ihr der Engel Gabriel verkündet.

Und Maria ist voller Freude.

Die drei Geschenke (Eine Weihnachtsgeschichte nicht nur für kleine Leute)

Als die drei Weisen aus dem fernen Morgenlande schon lange gegangen waren und ihre kostbaren Geschenke dem ärmlichen Stall, in dem der Herr der Welt geboren ward, Glanz verliehen, da hob das Gotteskind seinen Kopf und schaute zur Tür. Dort stand ein Bub, – verängstigt und schüchtern.

„Tritt näher“, sagte das Christuskind, „warum bist du denn so ängstlich?“

„Weil ich dir nicht mitgebracht habe“, antwortete der Bub. „Ich hätte aber gerne etwas von dir“, meinte das Gotteskind. Da wurde der Bub ganz aufgeregt. „Ich habe nichts. Mir gehört nichts. Wenn ich etwas hätte, würde ich es dir geben.“ Da fiel ihm etwas ein  und er holte es aus seiner zerlumpten Hose: „Schau, hier ist die Klinge eines Messers, – ich habe sie gefunden, du sollst sie haben!“

„Nein“, sagte das Kind, „behalte sie. Ich möchte etwas ganz anderes von dir haben. Es sind drei Dinge.“
„Gern“, sagte der Bub, „aber was?“
„Schenk mir dein letztes Bild, das du gemalt hast.“

Der Bub wurde rot und verlegen, und damit nicht einmal Josef und Maria es hören konnten, ging er mit dem Mund ganz nahe an das Christkind heran:

„Aber das Bild war so schlecht, dass es keinem gefallen hat.“

„Eben deshalb“, sagte das Kind in der Krippe, „will ICH das Bild haben. Du sollst immer mit allem zu mir kommen, das anderen an dir nicht gefällt und worüber du traurig bist, weil du es gerne besser gekonnt hättest.“

„Und dann“, fuhr das Christuskind fort, „möchte ich gerne, dass du mit deinem Freund zu mir kommst, ihr habt doch immer vieles gemeinsam gemacht.“

„Aber“, stotterte der Bub, „mit ihm rede ich nicht mehr und er auch nicht mit mir, unsere Freundschaft ist zerbrochen.“

„Du sollst immer mit allem zu mir kommen, was in deinem Leben zerbrochen ist. Ich will dir helfen, damit es heil werden kann.“

„Und als letztes“, sagte das Christuskind, „gib mir die Antwort an deine Eltern, als sie dich fragten, wo dein Freund heute bleibt.“

Da wurde der Bub sehr traurig und flüsterte: „Ich habe gesagt, dass er krank ist, – aber das war eine Lüge. In Wirklichkeit wollte ich nicht von dem Streit erzählen, – an dem war nämlich ich schuld.“

„Das wollte ich wissen“, sagte das Christuskind, „bringe mir immer alles, was in deinem Leben böse ist, deine Lügen, deine Ausflüchte, deine Feigheit und Grausamkeit. Ich will sie von dir wegnehmen. Du brauchst sie nicht. Ich will dich froh machen und dir deine Fehler immer wieder vergeben. Von heute an kannst du jeden Tag zu mir kommen.“

Das Hirtenlied

(Diese Legende kann die Kinder hineinnehmen in das Warten und Hoffen anderer Menschen und zugleich das Gespräch über die Vorstellungen der Kinder über das „Christuskind“ ermöglichen)

Es war einmal ein alter Hirte, der die Nacht liebte und um den Lauf der Gestirne wusste. Auf seinen Stock gestützt, den Blick zu den Sternen erhoben, stand der Hirte auf dem Felde.

„ER wird kommen!“ sagte er.
„Wann wird ER kommen?“ fragte der Enkel.
„Bald!“

Die anderen Hirten lachten. „Bald!“ höhnten sie. „Das sagst du schon seit Jahren!“

Der Alte kümmerte sich nicht um ihren Spott. Nur der Zweifel, der in den Augen des Enkels aufflackerte, betrübte ihn. Wer sollte, wenn er starb, die Weissagungen des Propheten weitertragen? Wenn ER doch nur bald käme! Sein Herz war voller Erwartung.

„Wird ER eine goldene Krone tragen?“ unterbrach der Enkel seine Gedanken. „Und ein silbernes Schwert?“
„Ja!“
„Und einen purpurnen Mantel?“
„Ja! Ja!“

Der Enkel war zufrieden. Der Bub saß auf einen Stein und spielte auf seiner Flöte. Der Großvater lauschte. Der Bub spielte von Mal zu Mal schöner, reiner. Er übte am Morgen und am Abend. Tag für Tag. Er wollte bereit sein, wenn der König kam. Keiner spielte so wie er.

„Würdest du auch für einen König ohne Krone, ohne Schwert, ohne Purpurmantel spielen?“ fragte der Großvater.
„Nein!“ sagte der Enkel.

Will sollte ein König ohne Krone, ohne Schwert, ohne Purpurmantel ihn für sein Lied beschenken? Mit Gold und Silber! Er würde ihn reich machen, und die anderen würden staunen, ihn beneiden.

Der alte Hirte war traurig. Ach warum versprach er dem Enke, was er selbst nicht glaubte? Wie würde ER kommen? Auf den Wolken des Himmels? Aus der Ewigkeit? Als Kind? Arm oder reich? Bestimmt ohne Schwert und Purpurmantel – und doch mächtiger als alle anderen Könige. Wie sollte er das seinem Enkel begreiflich machen?

Eines Nachts standen die Zeichen am Himmel, nach denen der Großvater Ausschau gehalten hatte. Die Sterne leuchteten heller als sonst. Über der Stadt Bethlehem stand ein großer, strahlender Stern. Und dann erschienen Engel und sagten:

„Fürchtet euch nicht“ Euch ist heute der Heiland geboren!“

Der Bub lief voraus, dem Licht entgegen. Unter dem Fell auf seiner Brust spürte er die Flöte. Er lief so schnell er konnte.

Da stand er als erster und starrte auf das Kind. Es lag in Windeln gewickelt in einer Krippe. Ein Mann und eine Frau betrachteten es froh. Die anderen Hirten, die ihn nun eingeholt hatten, fielen vor dem Kind auf die Knie. Der Großvater betete es an.

War das nun der König, den er ihm versprochen hatte??

Nein, das musste ein Irrtum sein. Nie würde er hier sein Lied spielen. Er drehte sich um, enttäuscht, von Trotz erfüllt. Er trat in die Nacht hinaus.

Er sah weder den offenen Himmel noch die Engel, die über dem Stall schwebten.

Aber dann hörte er das Kind weinen. Er wollte es nicht hören. Er hielt sich die Ohren zu, lief weiter. Doch das Weinen verfolgte ihn, ging ihm zu Herzen, zog ihn zurück zur Krippe.

Da stand er zum zweiten Mal. Er sah, wie Maria und Josef und auch die Hirten erschrocken das weinende Kind zu trösten versuchten. Vergeblich! Was fehlte ihm nur?

Da konnte der Bub nicht anders. Er zog die Flöte aus dem Fell und spielte sein Lied.
Das Kind wurde still …. Der letzte Schluchzer in seiner Kehle verstummte.
Es schaute den Buben an und lächelte.
Da wurde er fröhlich und spürte, wie das Lächeln ihn reicher machte als alles Gold und Silber.

(Max Bollinger)

Wie Ochs und Esel an die Krippe kamen (Karl Heinrich Waggerl)

Als Josef und Maria auf dem Weg nach Bethlehem waren, rief ein Engel die Tiere heimlich zusammen, um einige auszuwählen, der Heiligen Familie im Stall zu helfen.

Als Erster meldete sich natürlich der Löwe: „Nur ein Löwe ist würdig, dem Herrn der Welt zu dienen“, brüllte er, „ich werde jeden zerreißen, der dem Kind zu nahe kommt!“

„Du bist zu grimmig“, sagte der Engel.

Darauf schlich sich der Fuchs näher. Mit unschuldiger Miene meinte er „Ich werde sie gut versorgen. Für das Gotteskind besorge ich den süßesten Honig und für die Mutter stehle ich jeden Morgen ein Huhn!“

„Du bist zu verschlagen“, sagte der Engel.

Da stelzte der Pfau heran. Rauschend entfaltete er sein Rad und glänzte stolz in seinem Gefieder. „Ich will den armseligen Stall kostbarer schmücken als Salomon seinen Tempel!“

„Du bist zu eitel“, sagte der Engel.

Es kamen noch viele und priesen ihre Künste an. Vergeblich.

Zuletzt blickte der strenge Engel noch einmal suchend um sich und sah den Ochs und den Esel draußen auf dem Feld den Bauern bedienen.

Der Engel rief beide herbei: „Was habt ihr anzubieten?“ – „Nichts“, sagte der Esel und klappte traurig die Ohren herunter, „wir haben nichts gelernt außer Demut und Geduld. Denn alles andere hat uns immer noch mehr Prügel eingetragen!“ Und der Ochse warf schüchtern ein: „Aber vielleicht können wir dann und wann mit unseren Schwänzen die Fliegen verscheuchen?“

Da sagte der Engel: „Ihr seid die Richtigen!“

(… das Wort DEMUT bedeutet: MUT zum DIENEN ….)

Das Licht des kleinen Hirten

Nachdem der Engel den Hirten auf dem Felde die frohe Botschaft verkündet hatte, machten sie sich auf den Weg nach Bethlehem. Die Worte des Engels gaben ihnen Flügel. “Und das habt zum Zeichen”, hatte der Engel gesagt, „Ihr werdet finden das Kind, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegen.”

Ein Kind, ärmer als der ärmste unter ihnen? Sie nahmen Geschenke mit, das was sie so hatten: Ein Lämmchen, einen geschnitzten Stab, ein Fell, Milch und Brot. Der jüngste aber unter den Hirten fand nicht, was er dem Kind mitbringen hätte können. Er besaß nichts, von dem er dachte, es könnte dem Kind Freude bereiten. Da kam ihm plötzlich seine Lampe in den Sinn. Wie sehr hatte er sich eine Lampe gewünscht als er noch ein kleiner Junge war. Sicher brauchte das Jesuskind auch eine Lampe. Es würde ihm schwerfallen, sich davon zu trennen. Wie würde er sich fortan wieder fürchten, allein in der Nacht auf dem Feld zu sein. Doch er musste dem Kind seine Lampe bringen. Entschlossen lief er den anderen Hirten nach.

Als sie zum Stall kamen, fanden sie alles so, wie der Engel es gesagt hatte: In einem Stall ein Kind, arm und bloß. Aber es war auch eine unerwartete Helligkeit, ja beinahe zum Erschrecken hell war es dort im Stall. Erschrocken starrten die Hirten in die Lichtflut und sie trauten sich kaum in die Nähe des Kindes. All dieser Glanz kam von den Engeln, die über dem Stall schwebten und jubelten, und er kam von der Freude, die allem Volk widerfahren war. Oh, wie schämte sich nun der kleine Hirte mit seiner armseligen Lampe! Er hielt sie ganz fest und versteckte sie hinter seinem Rücken. Was hatte er sich bloß gedacht, dem König aller Könige eine Hirtenlampe schenken zu wollen! Tränen rollten über sein Gesicht vor lauter Enttäuschung.

Maria und Joseph begrüßten die Hirten voller Dankbarkeit. Einer nach dem andern trat zur Krippe und fiel ehrfürchtig in die Knie. Zuletzt kam die Reihe auch an den Jüngsten. Als er sich über das Kind beugte, ergriff ihn ein großes Staunen. Er stellte seine Lampe vor die Krippe und breitete die Arme aus. Da lächelte das Kind zum ersten Mal und wollte mit seinen winzigen Fingerchen nach dem dünnen Licht des Hirten greifen. Es verlangte so sehr danach, dass Gott ein Wunder tat. Für einen kurzen Augenblick löschte er den Glanz der Engel aus. Da brannte nur noch das kleine Licht des Hirten und flackerte im Wind. Diese kleine Lampe gab ein so trauliches Licht, und alle, die versammelt waren, rückten näher zusammen. Es wurde ihnen warm ums Herz, und sie hielten sich bei den Händen.

Gern wären alle lange um das kleine Licht gekniet, aber Gott musste die Engel wieder leuchten lassen, damit auch die drei Könige, die schon ganz nahe waren, den Weg zur Krippe fanden.

® Kuchler Advent 2008