Impulse zum aktuellen Bibeltext

Samstag, 21.03.2020 bis Montag, 13.04.2020
Ort: Saalfelden, 5760 Saalfelden
Veranstalter: Pfarre Saalfelden

Wir als Pfarrteam bieten an den kommenden Sonntagen unsere Überlegungen zu den Schriftlesungen auf diese Art und Weise an.




Grüß Gott
zum 5. Sonntag in der Vorbereitung auf Ostern



Bild: M. Innerhofer (Joh 11, 1 – 57)

Dem Leben entgegen - 
heraus aus der Dunkelheit.
Steh auf und geh,
dem Licht entgegen.
Du bist nicht allein, denn
deine Tränen sind auch meine Tränen und
deine Angst, ist auch meine Angst.

Dem Leben entgegen  –
das Licht in dir.
Mein Mut ist auch dein Mut,
meine Freude ist auch deine Freude.
Menschen warten auf dich,
denn die Liebe ist stärker als der Tod.

Dem Leben entgegen  –
heraus aus dem Grab.
Mit offenem Herz.
Das Leben wartet auf dich,
kostbar und einzigartig,
zögere nicht.
Ich bin die Auferstehung – lebe!

Magdalena Innerhofer, Religionslehrerin



Lebensgeist – Lebenskraft – Glaubenskraft 

zu den Lesungen:
aus dem Buch Ezechiel (37,12b-14: Gott holt sein Volk aus den Gräbern und schenkt neuen Geist)
aus dem Buch der Psalmen (130, 1-8: Hoffnung auf Vergebung und Erlösung)
aus dem Brief an die Gemeinde in Rom (8,8-11: Durch den Geist werden wir lebendig)
aus dem Evangelium nach Johannes (11,1-44: Auferweckung des Lazarus)

Diese unsere Tage sind von Unsicherheit, Angst vor Krankheit, ja von tödlicher Bedrohung geprägt. Wir Christen setzen dieser beklemmenden Situation den Lebens-Geist entgegen, von dem in den Texten der Hl. Schrift die Rede ist, die für den 5. Fastensonntag vorgesehenen sind.
Die Abschnitte wurden vor 2.000 und mehr Jahren geschrieben und antworten dennoch passend auf unsere aktuelle Situation. Zugleich beschreiben sie den Charakter der österlichen Vierzig-Tage-Zeit („Fastenzeit“) treffend, die der Besinnung und Buße dient, aber nicht im Sinn des Niedergedrückt-Werdens oder des De-Motivierens. Vielmehr geht es um Neu-Ausrichtung und Neu-Aufrichtung: aufrecht durchs Leben gehen, den Mitmenschen begegnen und vor Gott stehen – mit Geist und Leben begabt.

Motivieren soll uns etwa das Bewusstsein, dass wir durch die Taufe Anteil an Christus haben, das heißt: mit ihm gleichsam schon einen Fuß im Himmel, in einer „vollendeten Wirklichkeit“ haben. Das „Anteil-an-Christus-Haben“ drückt Paulus im Römer-Brief, aus dem wir in der zweiten Lesung hören, mit dem Wort „Geist“ aus. Geist meint: Glaube, Vertrauen, Gottesverbundenheit; meint auch: Hilfe und Unterstützung dort, wo uns unsere menschliche Verfasstheit („Fleisch“) mit ihren Schwächen und Versagen einzuholen droht. 

Dieser Geist ist freilich Zuspruch und Herausforderung zugleich; Paulus packt uns so gesehen bei unserer Ehre: „Ihr seid vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt“ (V 9); an anderer Stelle formuliert er es so: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16). Wenn wir den Gedanken weiterspinnen: Da werdet ihr euch wohl – ihr habt immerhin Unterstützung von Gott her – auch danach verhalten!?

Wenn wir also Schwäche, Versagen, Sünde, Grenzen erfahren, können wir gleichzeitig auf Hilfe, auf Aufgerichtet-Werden von Gott hoffen. Der Antwort-Psalm drückt das aus: „Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten – Herr, wer könnte bestehen? Doch bei dir ist Vergebung … ich hoffe auf den Herrn“. Da ist tiefe Zuversicht spürbar.

Die erste Lesung sagt uns in der Sprache des Propheten das Gotteswort zu, dass er – Gott – noch einen Schritt weiter geht: er will Lebens-Geist schenken – und er tut es, egal was davor war („Gräber“ sind Symbole der Entfernung von Gott), und auch unabhängig davon, ob wir es uns „verdient“ haben: „ich führe es aus“ (V 14) – in heutiger Sprache würde er vielleicht durch den Propheten sagen lassen: Das ziehe ich durch!

Dass bzw. wie Gott Leben schenkt, ist in den alttestamentlichen Texten mehr im übertragenen Sinn dargestellt, mit dem Wirken Jesu wird es real, anschaubar, ja angreif-bar.

Herbert Berndl, Pastoralassistent



Gedanken zum Evangelium Johannes 11,1-44 (Erweckung des Lazarus)

Sie scheint in keinem Kirchenlied auf und sie zählt nicht zu den populärsten Gestalten im Heiligenkalender. Eine der bekannten Stellen im Neuen Testament, in der von Marta von Betanien die Rede ist, ist das Evangelium zum heutigen Sonntag.

Martas und Marias Bruder, Lazarus, ist gestorben. Als Marta erfährt, dass Jesus in die Stadt kommt, geht sie ihm entgegen und sagt zu ihm: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.“ Auf die spätere Frage Jesu: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Glaubst du das?“, antwortet sie: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“

Marta ist eine selbstbewusste Frau. Sie hat Jesus etwas zu sagen; tritt ihm sogar fordernd entgegen. Trotz ihrer Trauer erweist sie sich als glaubensstark.

Ihr Bekenntnis sucht in den vier Evangelien seinesgleichen. So etwas sagen außer ihr nur Natanaël (Joh 1,49), zu einem späteren Zeitpunkt Petrus (Mt 16,16), die Jünger anlässlich der Stillung des Sturms (Mt 14,33) und der Hauptmann mit seinen Männern unter dem Kreuz (Mt 27,54).


„Du bist Christus, du bist der Messias, du bist Gottes Sohn“ - Marta ist Zeugin für das, was „Jesus“ bedeutet.

Leider denken wir bei dem Stichwort „Messias-Bekenntnis“ meist direkt an Petrus, selten nur an Marta. Dabei kommt ihr die gleiche Ehre zu.

Der Evangelist Johannes zeigt eine energische, kluge, unbequeme, fordernde, glaubensstarke Marta, die Konventionen durchbricht. Sie, die einfache, rührige Hausfrau als Apostelin - gleichberechtigt neben Petrus und gleich wichtig neben ihren männlichen Kollegen.

Es ist an der Zeit, Marta ins rechte Licht zu rücken, damit sie das sein kann und sein darf, was sie ist: Vorbild im Glauben. Denn Marta ist eine Frau, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht, aufrecht und mit Würde. Die wahrhaft erkennt und wahrhaftig bekennt. Eine, die nicht im Staub kriecht, sondern ihrem Gott in die Augen sieht – ohne Niederschlagen der Wimpern. Eine, die tatkräftig lebt und mutig glaubt.

Wer von uns hätte nicht ein wenig mehr Marta nötig?

Christina A. Reichel, Pastoralpraktikantin

 



Grüß Gott
zum 4. Sonntag in der Vorbereitung auf Ostern,
der den Beinamen „Laetare – Freude“ trägt.



Bild: M. Innerhofer (Joh  9,1-41)


Berührt sein
von der Kraft seiner Nähe
von der Kraft seiner Worte
von der Kraft seiner Menschlichkeit


Berührt sein
von seinem Gespür, was gerade jetzt notwendig und gut ist.


Lassen wir uns berühren von der befreienden Kraft des Evangeliums.
Lassen wir uns berühren,  indem wir neue Wege gehen.
Lassen wir uns berühren, indem wir auf unser Herz hören.

Lassen wir uns berühren und vertrauen -
auf die Heilskraft Gottes.

Magdalena Innerhofer, Religionslehrerin



Mit dem Herzen sehen – sich berühren lassen – als Kinder des Lichtes leben

Die Vorfreude auf Ostern ist äußerlich sehr getrübt, doch gerade im Blick auf den Text der ersten Lesung aus 1 Samuel 16,1-13 sind wir eingeladen, es dem HERRN gleich zu tun: „Der HERR sieht das Herz“ und bleibt nicht am ersten Erscheinungsbild eines Menschen hängen, wie es der Prophet Samuel tut. Die Stattlichkeit der Gestalt ist beeindruckend aber für den HERRN nicht ausreichend, um die Erwählung zum König durchzuführen.
Antoine Saint-Exupery greift diese Erfahrung auf, wenn er den Kleinen Prinzen sagen lässt: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!“ Um mit dem Herzen gut sehen zu können, braucht es Geduld und Zeit. Das Kennenlernen aller Söhne des Isai ermöglicht dem HERRN und seinem Propheten das Gespür zu bekommen: David ist es!
Er, der die Schafe hütet, wird gesalbt zu einem besonderen Hirtendienst an den Menschen: ihr König zu sein. Befähigt wird er dazu durch den Geist des HERRN.
Mit unserem Getauftsein sind wir ebenso gesalbt für den besonderen Hirtendienst an unseren Mitmenschen. Der Geist des HERRN begleitet und stärkt uns darin. Er berührt uns, damit die Freude am Glauben nicht schwindet, sondern uns gerade in diesen herausfordernden Tagen ermutigt und uns sehend macht mit unseren Herzen für die eigenen Befindlichkeiten und für die Bedürfnisse unserer Mitmenschen.
Die Kraft für die Bewältigung dieser besonderen Anforderungen, die derzeit unser Leben erschweren, bekommen wir mit einem besonderen Bild, das uns der Eröffnungsvers für diesen Sonntag „Laetare“ in unsere Herzen legt, genommen aus dem Buch Jesaja 66,7-17: Es gibt die Tröstung durch Gott als Mutter: „Jubelt mit ihr, auf dass ihr trinkt und satt werdet an der Brust ihrer Tröstungen!“
Die Freude am HERRN ist unsere Kraft.

Alois Moser, Pfarrer 



Vom »Licht am Ende des Tunnels«
zur Lesung aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus 5,8-14

Wie erleben Sie derzeit die Welt? Schulen und Läden geschlossen, die Arbeit ruht, das Leben sehr reduziert, Parkplätze und Straßen überraschend leer, Angst – zumindest Verunsicherung – bei vielen Menschen, die Zukunft düster. Fast wie in einem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, das in der Nazi-Haft entstand: »In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht. Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht.« 
Umso mehr gebührt unser Dank allen Menschen, die trotz aller Einschränkungen für uns tätig sind: dass wir zu essen haben, dass für unsere Gesundheit gesorgt wird, dass das Leben weitergeht.
Wenn der Mensch im Dunkeln tappt, keine Aussicht hat, der Überblick und der Durchblick fehlen, wenn einem schwarz wird vor Augen: dann ist die Sehnsucht groß, dass einem ein Licht aufgeht. Das »Licht am Ende des Tunnels«, die »Erleuchtung«, so nannten die Christen der frühen Kirche die Taufe. »Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts! ... Alles Erleuchtete aber ist Licht.« (Eph 5,8.14) Die Lesung schließt mit einem Bild aus einem alten Tauflied. Wie Christus aus dem Todesschlaf erwacht ist, soll auch der Täufling aus seinem Schlaf, dem alten Leben erwachen. Er steht gleichsam von den Toten auf. Von nun an erleuchtet Christus seinen Lebensweg. Er muss nicht mehr in der Finsternis umherirren. Er darf für andere Licht sein, ein Zeichen der Hoffnung auf ein Leben in Fülle. Großes wird uns Christ*innen hier zugesprochen. Das drückt auch Dietrich Bonhoeffer aus: »Ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den rechten Weg für mich. «
Lassen wir uns auf diese Verheißung ein!

Hans Steinwender, priesterlicher Mitarbeiter



Gedanken zum Evangelium Johannes 9,1-41

Am Sonntag „laetare“ (übersetzt „freue dich“) freuen wir uns über Christus das Licht, das die Dunkelheit und Blindheit vertreibt! Jesus hat sich als „Licht der Welt“ bezeichnet, und als „Weg, Wahrheit und Leben“. Voll Hoffnung und Zuversicht gehen wir diesem Licht entgegen, das uns Ostern ankündigt. Johannes erzählt vom Blindgeborenen, der von Jesus geheilt wird – am Sabbat.
Daran entzündet sich eine heftige Auseinandersetzung, die eine Blindheit der Menschen erkennen lässt, die noch viel tiefer geht. Die ganze Episode kann als Interpretationshilfe für die eigene Glaubensgeschichte gelesen werden. Aus dem Dunkel ins Licht geführt zu werden, das geschieht dem Blinden auf doppelte Weise. Seine Heilung illustriert, was innerlich an ihm geschieht, da er durch Jesus Christus zum Glauben an ihn geführt wird. Der Blinde, wird sehend – auf der anderen Seite herrscht Verblendung, das Nicht-Sehen-Wollen.

In der Geschichte verbinden sich zwei Erzählungen, die einen Kontrast aufzeigen:

Aus der Dunkelheit zum Licht

Auf der einen Seite wird ein blind geborener Mann geheilt; er sieht und gibt ein klares Zeugnis für seinen Glauben:
• Zuerst weiß er ihn nur als: „der Mann, der Jesus heißt...“ (v.11)
• Aber es dämmert ihm: „Er ist ein Prophet...“ (v.17); „... von Gott“ (v.33)
• Schließlich bekennt er bewusst: „Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder“ (v.38)
Er ist ein wirklich Sehender geworden und so kommt er von der Dunkelheit des Nicht-Kennens ins Licht der Erkenntnis und der Annahme Christi.

Vom Licht in die Dunkelheit

Auf der anderen Seite stehen die Pharisäer. Sie denken und rühmen sich, dass sie sehen. Aber als sie Jesus begegnen, trübt sich ihr Geist; sie erkranken an spiritueller Blindheit:
• Zuerst sind sie skeptisch: „... fragen ihn, wie er sehend geworden sei“ (v.15)
• Sie verweigern ein deutliches Zeugnis: „Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war“ (v.18)
• Dann bringen sie Gott ins Spiel: „Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist“ (v.24)
Die Pharisäer wollen nicht akzeptieren, dass Jesus vom Himmel kommt. Sie stoßen den Blinden schließlich aus ihrem Kreis (v.34). Sie sehen nicht und wollen auch nicht von jemand, der die Wahrheit gesehen hat, erleuchtet werden. Sie erkranken an spiritueller Blindheit.

Das Licht ist ein Ursymbol für Gott selbst. Jesus verkündet: „Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden“.
Ja, diese Erzählung stellt eine Reise zum Glauben dar. Auch wir als getaufte Christen müssen aus der Blindheit spiritueller Dunkelheit ins Licht kommen. Wenn mit Jesus das Licht Gottes in die Welt gekommen ist, dann dürfen wir es nicht vor der Welt verheimlichen oder durch unser Verhalten verdunkeln. Innere Erleuchtung ist der Weg zu Gott. Echter Glaube führt uns zur Wahrheit. In der Taufe sind wir wahrhaft vom Tod zum Leben hinübergegangen, von der Finsternis der Sünde in das Licht der göttlichen Gnade.

Dr. Novatus MRIGHWA, Gastpriester



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