Impulse zum aktuellen Bibeltext

Ort: Saalfelden, 5760 Saalfelden
Veranstalter: Pfarre Saalfelden

Wir als Pfarrteam bieten an den kommenden Sonntagen unsere Überlegungen zu den Schriftlesungen auf diese Art und Weise an.



"Grüß Gott" 
zum 5. Sonntag der Osterzeit

Bild: M. Innerhofer (1 Petr 2, 4-9/   Joh 14, 1-12)


Aufbau                                                                  

Wir wollen aufbauen, mit lebendigen Steinen –
gerufen aus der Finsternis ins Licht.

Wir wollen aufbauen, mit lebendiger Freude, 
um der Hoffnung einen Platz zu geben.

Wir wollen aufbauen und Neues entdecken,
weil das Leben in seiner ganzen Vielfalt für uns bereitsteht.

Wir wollen aufbauen, mit Menschen an unserer Seite,
in dem Wissen, dass das Gelingen nicht immer in unserer Hand liegt.

Wir wollen aufbauen und dorthin gehen, wo das Leben ist.

Lasst uns wie lebendige Steine sein,
und  immer wieder weiterbauen,
an einer lebenswerten Welt
und den Platz finden, an dem unser Herz zuhause ist.


Magdalena Innerhofer, Religionslehrerin




1. Lesung: Apg 6,1-7 (Wahl und Beauftragung der sieben Diakone)
Antwortpsalm: Ps 33 (Loblied auf den gütigen und starken Gott)
2. Lesung: 1 Petr 2,4-9 (Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen)
Evangelium: Joh 14,1-12 (Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben)


Die Pinzgauer Mundart ist eine wunderbare Sprache. Wie in vielen Dialekten gibt’s auch hier Begriffe, für die man in der Schriftsprache lange Umschreibungen braucht. Ein solches Wort, das mir als einem „Zuag’roasten“ gleich einmal aufgefallen ist, ist „g’recht“. Es fasst Bedeutungen wie richtig, passend, schicklich, geziemend, sachgerecht, zusagend, stimmig, aufrichtig zusammen.
Vor allem: es passt viel besser für einen biblischen Sachverhalt, der im Schriftdeutschen mit „gerecht“ bzw. „Gerechtigkeit“ ausgedrückt wird.
Gerecht ist im biblischen Sinn ja nicht jemand, der allen das Gleiche zukommen lässt, sondern vielmehr einer, der „richtig“ handelt, der das tut, was im Sinne Gottes ist, der der Leitlinie der Gottes- und Nächstenliebe folgt (z. B. der Bräutigam Josef). Am ehesten können wir es in der Hochsprache wohl mit „redlich“ übersetzen.

Der Antwortpsalm spricht davon: Die G(e)rechten und Redlichen sind die, die Gott ehren, die sich nach Gottes Wort ausrichten, die auf seine Verlässlichkeit und seine Güte bauen, die sich ganz auf ihn hin orientieren, der der Gerechte schlechthin ist.

Die „praktische Umsetzung“ schildern uns die Lesungen. Die Apostelgeschichte (1. Lesung) erzählt von der Urgemeinde in Jerusalem; dort galt es, „g’recht“ zu handeln: die Apostel sollten die Verkündigung der frohen Botschaft mit aller Intensität betreiben, und es sollte keine Ungerechtigkeiten geben, wie etwa die Benachteiligung der nichtjüdischen Hilfsbedürftigen. Darum die Wahl der sieben Diakone (=griech. für Diener, Helfer).
Mir gefällt, dass man dort gemeinsam Entscheidungen getroffen und den Ausgewählten durch Gebet und Handauflegung Bestärkung für ihre Tätigkeit mitgegeben hat.
Und mir fällt auf: Sieben ist die Zahl der Fülle; die sieben Diakone stehen stellvertretend und vorbildhaft für alle Christen, die dem bzw. der Nächsten immer ihren Dienst schulden.

Der Petrusbrief (2. Lesung) spricht auf einer anderen Ebene, gleichsam in allgemeinen Begriffen von der „g’rechten“ Gemeinde und ihren Gliedern. Sie spricht in höchsten Tönen von ihnen: dass sie auserwählt, heilig, königlich und priestergleich sein oder werden mögen, ja eigentlich schon sind.
Das ist wieder einmal ein hoher An-spruch und gleichzeitig ein stärkender Zu-spruch.
Mir wird bewusst: Ja, aufbauend (mit dem lateinischen Fremdwort „konstruktiv“) sollen wir als Christen handeln, keinesfalls destruktiv. Weil wir in größter Nähe zu IHM stehen, der uns aufbaut. Die hohe Würde (merke: wir sind alle „Hochwürden“!) tragen wir übrigens seit der Taufe in, mit, an uns: dort wurde uns zugesagt, dass wir die Würde von Königen, Priestern und Propheten haben.

„Is‘ scho g‘recht!“


Herbert Berndl, Pastoralassistent 



Euer Herz lasse sich nicht verwirren….

Jesus bereitet die Jünger auf seinen Abschied vor. Er ahnt ihre Ängste, ihre Traurigkeit, ist er doch für sie zum guten Freund geworden, zum Lehrer, zum Verkünder der frohen Botschaft vom Reich Gottes, bezeugt als der Messias.
Mit ihm blühen sie auf, hat ihr Leben einen Sinn. An seiner Seite fühlen sie sich wohl, gut aufgehoben und geborgen. Doch ein Abschied bedeutet, es gilt auf eigenen Füßen zu stehen und den Weg Jesu fortzusetzen. Erstes Unbehagen macht sich bemerkbar: „Wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?“
Bisher sind sie mit Jesus gegangen. Sie brauchen sich um nichts kümmern.
Wir wissen aus eigenen Erfahrungen, wie schwer es oft ist, Wege wiederzufinden, die man in einer geführten Gruppe gegangen ist. Man vertraut sich an und achtet nicht immer auf die Besonderheiten und dann wird es zur Herausforderung, den Weg selber zu gehen.
Dafür hat Jesus eine Ermutigung parat: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“.
Leichter gesagt, als getan. Wenn wir gerade an diese Zeit jetzt denken, in der uns eine Pandemie das Leben sehr schwer macht und verschiedenes auf uns einstürzt an Informationen, Warnungen, Vorschriften, Schwarzmalerei, Hoffnungen…
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ sagt Jesus.
Glaubt an den Gott, der in Jesus angreifbar ist. Hängt euer Herz an den, der selbst Herz zeigt für den Menschen und der für Aufmerksamkeit und Wertschätzung eintritt, der selbst Zuneigung und Liebe wie auch Ablehnung und Hass erfahren muss.
Glaubt an den, der uns Menschen den Weg mit Gott neu erschließt und dabei nichts vereinfacht oder verkürzt.
Er geht ihn als einen Weg der Liebe, der Versöhnung und des Verzeihens, als einen Weg des Heilens und Aufrichtens, als einen Weg des Mahnens und des Ermutigens. Er bezeugt damit die Wahrheit, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist, beauftragt zu bebauen und zu hüten.
Dieser Weg mit den Menschen zehrt an den Kräften. Jesus schöpft sie aus der Verbundenheit mit seinem Vater im Himmel. In ihm hat er seinen Ansprechpartner für Lob und Dank, für Bedrängnis, Not und Bitte.
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren Glaubt an Gott und glaubt an mich!“.
Nicht einfach, angesichts vieler Ereignisse, die oft nur mehr die eine Frage aufwerfen: „Wo ist Gott? Wie kann er das zulassen? Wo ist die Kraft, die die Not in Zuversicht wandelt und uns aus der Traurigkeit auf den Weg der Freude führt?“
Jesus zeigt uns diese Kraft. Dafür ist er WEG. Es ist sein Glaube an Gott, der ihn gerade auch in seinen eigenen schweren Lebensabschnitten trägt und hält. Mit der WAHRHEIT der Auferstehung schenkt er uns jene Kraft, die uns wieder erfülltes LEBEN spüren lässt und zugleich bestärkt, die Welt positiv zu prägen und mitzugestalten.
An diesem Sonntag nehmen wir die Botschaft mit:
Das Herz lasse sich nicht verwirren, sondern wir verankern unsere Herzen fest in Gott und Jesus. Denn da ist die WAHRHEIT unseres Glaubens zu erfahren. Der WEG dorthin funktioniert nicht mit dem „zeig uns einfach“ des Philippus, sondern bedeutet Bewegung, bedeutet eigenes Zutun, bedeutet, sich der Kraft der Auferstehung Jesu stets dankbar bewusst zu sein und dadurch immer wieder erfülltes LEBEN geschenkt zu bekommen.


Alois Moser, Pfarrer


PS.: Das Lied im Gotteslob Nr.  456 greift diesen Evangeliumstext auf und eignet sich sehr gut als Bekenntnis unseres Glaubens, gesungen oder gebetet:
„Herr, du bist mein Leben, Herr, du bist mein Weg. Du bist meine Wahrheit, die mich leben lässt!
Du rufst mich beim Namen, sprichst zu mir dein Wort.
Und ich gehe deinen Weg, du Herr gibst mir den Sinn.
Mit dir habe ich keine Angst, gibst du mir die Hand.
Und so bitt ich, bleib doch bei mir.“




"Grüß Gott" 
zum 4. Sonntag der Osterzeit


Bild: M. Innerhofer (Joh 10, 1 - 10)


Zu-Mutung

Du mutest uns zu –
dass wir unser Leben leben,
mit seinen  Höhen und Tiefen,
mit seinen Ecken und Kanten
und in seiner ganzen Buntheit.

Du gibst uns Mut,
weil du unser Hirte bist
und wir dir folgen.

Du mutest uns zu –
dass wir uns für Gerechtigkeit einsetzen
und  wir den Schwachen unsere  Stimme geben.

Du gibst uns Mut,
weil du unser Hirte bist
und wir durch deine Tür ein und aus gehen.

Du mutest uns zu –
dass wir ohne Angst sein können
und auf unsere Lebenskraft vertrauen.
Denn du bist unser Hirte,
unsere Tür, unser Retter.

Du gibst uns Mut, zu einem Leben
in Fülle.


Magdalena Innerhofer, Religionslehrerin




Der vierte Ostersonntag wird als „Sonntag des Guten Hirten“ gefeiert.

Dieses Bild stellt uns auch die Perikope aus dem Johannes-Evangelium vor Augen. Der auferstandene Christus offenbart sich als der Gute Hirt, der seine Schafe kennt, sie ruft, sie nährt und sie führt. Er weiß, was das einzelne Schaf an Antrieb, Einhalt oder Hilfe braucht. Schon an seiner Stimme erkennen die schutzbedürftigen Schafe den rechten Hirten und folgen ihm hinaus. Weil sie spüren, dass ihr Schäfer es gut mit ihnen meint, folgen sie seinen Befehlen, wenn er einen Pfiff oder einen Ruf ertönen lässt. Dagegen sind sie unsicher gegenüber Fremden oder Dieben, Räubern und Verführern; deshalb folgen sie ihnen nicht!
Er ist die »Tür« zum Leben in Fülle. Er erschließt den Zugang zum gelingenden ewigen Leben, ohne jeden Mangel. Durch ihn gelangen wir zum Heil. Die Bilder von Tür und Hirten prägen den 57. Weltgebetstag für geistliche Berufe: Der Gute Hirt ruft uns in seine Nachfolge und in seinen Dienst.

Das Bild des guten Hirten beschreibt das Vertrauensverhältnis zwischen Jesus und seiner Gemeinde. Menschen erfahren Halt in ihrem Leben, wenn sie sich dem Schutz dieses Hirten anvertrauen. Sie entwickeln eine innere Kraft und Gelassenheit, die sie zuversichtlich werden lässt. Wer auf seine Stimme hört, wer diese Stimme ernst nimmt und ihr folgt, der gehört zu diesem Jesus. Er ist gekommen, damit wir das Leben haben und es im Überfluss haben, so die wörtliche Übersetzung. Das Bild vom Guten Hirten ist Auftrag und Zusage für unsere Gemeinde und es ist sehr verbunden mit dem Sonntag der geistlichen Berufe. Jesus ist das wahre Wort und seine Stimme ist unverwechselbar. Nur wer seinem Ruf folgt und seine bedingungslose Hingabe für andere ernst nimmt, kann den Weg zum wahren Leben selber finden und anderen weiter verkünden. Das Kriterium für eine österliche Gemeinde und für alle geistlichen Berufe ist der Dienst am Leben in Fülle unter der Führung des „guten Hirten“, schon hier und jetzt, auch inmitten aller Bedrohungen und Ängste. Der Herr will uns auch ermuntern, den „Hirten der Kirche“ beizustehen, ihnen Offenheit und Vertrauen entgegenzubringen, sie zu unterstützen und vor allem für sie zu beten.
»Daher werden wir den Ruf des Herrn entdecken und annehmen können, wenn sich unser Herz der Dankbarkeit öffnet und den Augenblick zu ergreifen vermag, da Gott in unserem Leben vorbeigeht,« schrieb Papst Franziskus an alle Menschen in verschiedenen „Formen der Berufung als gläubige Laien, Priester oder Personen des geweihten Lebens“. Unser aller „geistlicher Beruf“ gründet in der Taufe. Unser Dienst für Welt und Menschen ist es, »das eigene Leben als Lobgesang für Gott, für die Brüder und Schwestern sowie für die ganze Welt darzubringen. Die Jungfrau Maria begleite uns dabei und sei uns Fürsprecherin.«


Novatus Mrighwa, priesterlicher Mitarbeiter



» Nie wieder Corona ! «
zu Apostelgeschichte 2,14.36-41 und Psalm 23
und zum Ersten Petrusbrief 2,20b-25

 » Schau auf dich, schau auf mich ! « Wochenlang hat uns das Wort begleitet, das uns eindringlich mahnte, in der Zeit der unsichtbaren Bedrohung miteinander und mit dem Leben "behutsam" umzugehen. »So schützen wir uns« – und diese Aufmerksamkeit hört nicht auf, auch wenn die Einschränkungen des täglichen Lebens zurückgenommen werden. (Wir kehren nicht zurück zur "sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise", wie es vergangenen Sonntag geheißen hat. 1 Petr 1,18)
Behutsamkeit, die das Leben liebt – als göttliche Wesensart – feiert die Liturgie des Wortes Gottes am heutigen "Sonntag des Guten Hirten".

Den direktesten Kontakt mit dem "Hirten" beten wir im 23. Psalm (nach der Lesung aus der Apostelgeschichte). Mit dem biblischen Vorbeter ("Psalm Davids"!) gehen wir den Weg des Menschen vom ER zum DU mit. Der Glaubende tastet sich an Gott heran: ER ist Hirte, Er führt und leitet. Und wenn es eng wird auf dem Weg, wächst das Vertrauen: DU bist bei mir, DU deckst den Tisch, DU salbst. DU bringst heim.

Zweimal kommt der Sprecher des "Zwölferkreises" Petrus zu Wort: in der ersten seiner sieben nachösterlichen Reden in der "Apostelgeschichte". Und im sogenannten Petrusbrief.

Zunächst die "Pfingstpredigt" in der Apostelgeschichte, die Fortsetzung der vergangenen Sonntage. (Die zweite große Schrift des Lukas, eigentlich unter dem Titel "vom Wirken Gottes in den Taten der Apostel", stellt im ersten Teil Petrus in den Mittelpunkt, im zweiten Teil Paulus, durch den Ostern "weltläufig" wird.) Pfingsten, der 50. Tag(*) nach Ostern und Pas‘cha, ist in Israel Erntedank (Schawuot). Und zugleich die Erinnerung an den Tag, da Mose die Zehn Gebote erhalten hat (Sukkot).
»Lasst euch retten!« In diesem Aufruf gipfelt die Rede des Petrus. Er spart die Katastrophe des Karfreitags nicht aus. Aber der Gekreuzigte ist der Auferweckte. Den man "eingezwängt" hat in Tod und Untergang, den hat der "Hirte" ins Weite hinausgeführt. Neuorientierung (Umkehr), Taufe, Glaube: der Weg am Wanderstab des Hirten führt ins Leben.
Die Christenheit hat ihren Oster-Helden. Nicht als Superstar, nicht als Gewinner äußerlicher Anerkennungen: er litt, er wurde geschmäht – er hat durchgehalten und sein Schicksal "beim Himmel abgegeben". Der "Eingezwängte" hat die Tür "aufgezwängt", durch die alle, die dem Tod verfallen sind, herausgeführt werden ins Leben. Beispielgebend.
So ähnlich redet man ja heute von den "Heldinnen" des Alltags, die in der Pandemiezeit unseren Alltag am Laufen hielten: Die selbst in Bedrängnis waren durch die äußeren Umstände, haben – freundlich, stark, unerschütterlich – ihre Aufgaben erfüllt. Denen selbst vieles nicht leicht fiel, die waren die Stützen der Gesellschaft. Wir alle haben den Nutzen davon. Danke! (Man sollte ihnen mehr als den Applaus gönnen).
»Durch seine Wunden sind wir geheilt«, zitiert Petrus das Lied vom Gottesknecht (Jesaja 53,5) im Hinblick auf "diesen Jesus", den Gott "zum Herrn und Christus gemacht" hat. (Apg 2,36)

» Schau auf dich, schau auf mich « – in zwei Dimensionen, von Mensch zu Mensch trachten wir das Leben "in den Griff zu bekommen" … und müssen oft feststellen, wie sich Erfolg nicht einstellen will. Unser Blick braucht die 3. Dimension: »Schau auf Ihn!« Schau auf den Gekreuzigten Auferweckten. Schau auf den Gott, der der Gute Hirte ist, der zum Aufatmen führt – auch durch finstere Todschatten-Schluchten. Dessen "Güte und Huld" dich so lang verfolgen, bis du heimgekommen bist.

"Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben." (Sacharja 12,10; Johannes 19,37)"Im Schauen auf sein Antlitz werden wir verwandelt in sein Bild." (Taizé)


Hans Steinwender, priesterlicher Mitarbeiter


(*) Zahlenmystik ist ein Versuch, das unberechenbare Leben – eingespannt zwischen Himmel und Erde, Gott und Welt – zu deuten. 3 ist die Zahl Gottes (vgl. Drei-faltigkeit), 4 die Zahl der Welt (4 Himmelsrichtungen, Jahreszeiten; Evangelisten …). 3+4 (7) bzw. 3x4 (12) = Gott und die Welt = Leben in Fülle. 7x7 = Über-Fülle. Der 50. Tag (pentekoste – Pfingsten) signalisiert Neustart, den "neuen Tag", den Beginn der neuen Welt. Davon erzählt die Predigt des Petrus …

 




"Grüß Gott" 
zum 3. Sonntag der Osterzeit



Bild: M. Innerhofer (Joh 21, 1 - 14)


Umsorgt

Getragen und umsorgt, 
mit allem, was wir brauchen.
Das Netz ist voll - mit Essen, Trinken, Leben.

Du bist da und verjagst sie -
die Schatten der Angst.
Dein Feuer brennt für uns,
dein Feuer brennt in uns –
bei Tag und Nacht.

Getragen und umsorgt,
mit allem, was wir brauchen.
Du zeigst uns den Weg zum Leben.
Du gibst uns Sicherheit,
die unser Herz erfüllt und uns zuruft:
„Du bist nie allein!“


Magdalena Innerhofer, Religionslehrerin



» Du zeigst mir den Weg zum Leben «
zu Apostelgeschichte 2,14.22b-33 und Psalm 16
und zum Ersten Petrusbrief 1,17-21

»Das ist ein Gedicht!« Ab und zu kann man vernehmen, dass jemand auf diese Weise etwas besonders lobt. Das kann der flaumige Sonntagsguglhupf ("Das ist ein Gedicht; könnte ich bitte noch eine Strophe haben") ebenso sein wie ein beglückendes Gespräch, ein schmackhaftes Eis oder ein edler Tropfen. Zu vielen Anlässen werden «Lobeshymnen» angestimmt, zur Feier des Tages oder auf eine honorige Persönlichkeit …
Das «Gedicht» ist mehr als eine literarische Gattung: damit wird die Erfahrung der Wirklichkeit verdichtet. Das feiert die Liturgie des Wortes Gottes am heutigen Sonntag.
Voller Lobeshymnen ist die Osterverkündigung des Petrus: "Jesus, den Nazoräer … hat Gott auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde." (Apg 2,22.24) Zur Bekräftigung zitiert Petrus den "Patriarchen David" (Apg 2,29), den großen Dichter und Sänger der Taten Gottes, im 16. Psalm. "Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Zunge, auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit; denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen Verwesung schauen. Du hast mir Wege des Lebens gezeigt." (Ps 16,9-11)
Das Lied Davids besingt das Wunder des Auferstandenen. "Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen." (Apg 2,32)

Nach der Lesung wird Psalm 16 angestimmt.
Die Gedichte Davids, die "Psalmen", verdichten das Leben der Menschen, in dem Gott vorkommt.
„Mose gab den Israeliten die 5 Bücher der Weisung (= Tora), und David gab den Israeliten die 5 Bücher der Preisung (= Psalmen)“, ist die rabbinische Überlieferung überzeugt. Psalmen sind nicht nur Gebete, sie sind Lehrtexte. In ganz komprimierter Form ist das Psalmenbuch so etwas wie die „Bibel in der Bibel“.
Wer Psalmen liest, lernt den Gott der Bibel kennen. Wer Psalmen auswendig lernt, nimmt sich den Glauben zu Herzen. Was in biblischen Geschichten erzählt wird, wird in den Psalmen besungen. Was Petrus predigt, nimmt der Psalm 16 erneut in den Mund: "Du lässt mich, Herr, den Weg des Lebens erkennen. … Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt."

Noch einmal kommt der Sprecher des Apostelkreises zu Wort.
Der erste Petrusbrief schreibt den «Österlingen» ins Stammbuch, was für eine Gabe – und zugleich Aufgabe – durch Leben, Leiden und Auferstehung Jesu bewirkt ist: Ihr seid "losgekauft aus der sinnlosen Lebensart der Väter; erlöst durch die Hingabe des Osterlammes; durch ihn zum Glauben gekommen und zur Hoffnung berufen."
In Zeiten wie diesen haben wir Ermutigung und Zuspruch, der hoffen lässt, besonders nötig. Sinnlose Lebensweise wäre das Kreisen um sich selbst, die einzige Sorge das eigene Fortkommen, Egoismus als Lebenshorizont. Wir erleben – Gott sei Dank – viele Mitmenschen als umsichtig, hilfsbereit, aufmerksam und zuvorkommend. Das ist eine Antwort auf das Petruswort: "Führt ein Leben in Gottesfurcht." »Als Gerettete(r) sich rettend verhalten«, könnte man auch sagen. Leben aus Vertrauen, feststehend im Glauben.
Israel sagt: „Verlasst euch nicht auf Wunder, rezitiert Psalmen!“


Hans Steinwender, Priesterlicher Mitarbeiter



Gedanken zum Evangelium Joh 21,1-14


Wo immer und in welcher Art und Weise Jesus an das Ufer unseres Lebens tritt,

es bricht ein neuer Morgen an…


Dies war schon das dritte Mal, dass sich Jesus seinen Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war, so schreibt Johannes zum Ende unseres Evangeliumtextes.
Aller guten Dinge sind drei – lautet ein geflügeltes Wort und unterstreicht zugleich die Wichtigkeit und Bedeutung des Geschehenen. Und es braucht dieses „aller guten Dinge sind drei“ denn es scheint, dass der Alltag bei den Jüngern eingekehrt ist: Fischen. Sie sind dorthin zurückgegangen, woher sie gekommen waren. Sie sind wieder im Gewohnten. Da hat sie Jesus abgeholt zum Mitgehen und da findet er sie wieder, um sie Auferstehung lebensnah spüren zu lassen. Der Ort der Ereignisse hat für die Nachhaltigkeit noch nicht genügt. Die „abgeschlossene Freude in Jerusalem“ wird der Belastung des alltäglichen Lebens ausgesetzt. Dafür braucht es auch das Nachgehen und Begleiten im Alltag. Die Hoch-Zeiten der Begegnungen mit dem Auferstandenen lassen trotzdem die Tief-Zeiten zu, wo ein Lebenspläne durcheinandergewirbelt werden, wo jene Phasen belastend sind, in denen alle Mühe und Anstrengung vergebens zu sein scheinen, wo Resignation, Enttäuschung übermächtig werden, wo sich Existenzangst, Hoffnungslosigkeit breit machen, wo wir den Eindruck haben, wir plagen uns umsonst….die ganze Nacht haben sie gefischt, sich abgerackert und nichts gefangen.
Da noch die Kraft zu Neuanfängen aufzubringen, braucht das Erlebnis der Jünger in der Nacht des erfolglosen Fischfangs: Das Geschenk echter Freundschaft.
Jesus sucht sie auf. Sucht Mahlgemeinschaft mit ihnen.
Sein Wort erspart nicht die Mühe, erleichtert nichts. Sie sollen noch einmal hinaus, sie die Kenner ihres Berufs. Sie fahren noch einmal hinaus, denn Jesu Worte, seine vertraute Stimme – „es ist der Herr“ – schenken neue Sicherheit, geben Mut und der gute Tipp Jesu, die Netze auf der rechten Seite auszuwerfen, bringen als Krönung ein Erfolgserlebnis.
Jesus lässt die Jünger die Erfahrung machen: Jede Nacht, jede Erfolglosigkeit geht zu Ende.
Es kommt ein neuer Morgen, ein neues wärmendes Feuer, die Nebel weichen der aufgehenden Sonne.
Jedes tröstende und aufrichtende Wort, das uns gesagt wird und das wir selber weitergeben, jedes Mitdenken, Mitfühlen, Mitgehen ist wie der neue Morgen nach der Nacht, ist Auferstehung. Die Auferstehung ist kein Eintagesereignis. Das erfahren die Jünger in dieser Begegnung mit Jesus – aller guten Dinge sind eben mindestens drei – und sie werden darin gefestigt mit der Einladung Jesu, die er auch an uns richtet: „Kommt her und esst!“
Halten wir Kommunion, genießen wir Gemeinschaft, danken wir für das Miteinander, denn dann können wir gestärkt gehen, gesendet, Frieden zu bringen.


Die Auferstehung ist die Wende von der Dunkelheit zum Licht.
Wo immer und in welcher Art und Weise Jesus an das Ufer unseres Lebens tritt,
es bricht ein neuer Morgen an.
CHRISTUS  IST AUFERSTANDEN!   ER IST WAHRHAFT AUFERSTANDEN!


Alois Moser, Pfarrer

 

 

 

"Grüß Gott" 
zum 2. Sonntag der Osterzeit („Weißer Sonntag“)




Bild: M. Innerhofer (Weißer Sonntag - Joh 20, 19 -31)


Zeugen der Auferstehung

Wir sind Zeugen der Auferstehung.
In diesen Tagen der Ungewissheit.
In diesen Tagen der Angst.

Wir sind  Zeugen der Auferstehung,
wenn wir trotz allem den Mut in uns spüren,
wenn wir trotz allem zuversichtlich sind,
wenn wir trotz allem Nähe erfahren.

Doch erst im Zweifel sind wir wahre Zeugen der Auferstehung.
Wir lernen Vertrauen und legen es in deine Hände,
unser Leben - uns geschenkt.
Immer wieder neu,
Schritt für Schritt
und mit bebendem Herzen -
„Hinein ins Leben!“


Magdalena Innerhofer, Religionslehrerin




Verbundenheit mit dem Auferstandenen – Herausforderung und rettender Zuspruch


zu den Lesungen:
aus der Apostelgeschichte (2,42-47: Das Leben der Urgemeinde in Jerusalem)
aus dem Buch der Psalmen (118,2.4.14-15.22-23.24.28: Dank dem befreienden Gott)
aus dem ersten Petrus-Brief (1,3-9: Hoffnung – Rettung – Herrlichkeit des Himmels)
aus dem Evangelium nach Johannes (20,19-31: Der Auferstandene und der zweifelnde Thomas)

Papst Gregor der Große hat als „Biograph“ des hl. Benedikt diesen so charakterisiert: mit den Füßen am Boden, den Kopf aber im Himmel.
Das ist doch ein Programm für alle Christgläubigen!?
Nicht abgehoben sein; bei den Menschen sein; wissen, was uns trägt, und darauf vertrauen – die Füße am Boden haben.
Uns zugleich nach der Sonne ausrichten; Überblick haben; die irdischen Beschwernisse gelassen(er) nehmen oder gar hinter uns lassen; wissen, wer uns trägt, und auf IHN vertrauen – mit Kopf (und Herz) im Himmel sein.

Das Gleiche gilt für die Kirche als Ganzes. Und da sollten wir gar nicht an die alten Bilder von der „streitenden (=ringenden) Kirche“ (auf Erden) und der „triumphierenden (=erlöst jubelnden) Kirche“ (im Himmel) denken, auch wenn sie in so mancher Barockkirche in künstlerisch hoher Qualität bis heute so zu bewundern sind.
Nein, sehen wir es ganz prosaisch: Kirche auf dem Erdboden stehend, ist die Kirche, die wir erleben, die aufgebaut ist aus lebendigen Bausteinen, die im Hier und Jetzt existiert und wirkt, in der es auch (manchmal leider allzusehr) „menschelt“; eine Kirche, die aber auf dem Fundament der Apostel und letztlich des Auferstandenen steht. Daran erinnert uns die heutige erste Lesung. Sie schildert das Leben der Urgemeinde in Jerusalem in knappen, prägnanten Worten; und dabei können wir erkennen: das ist unsere Kirche!
Wie oder woran können wir das erkennen?
Seit Alters her wird Kirche als ein Gebilde charakterisiert, das vor allem in vier Bereichen agiert, den so genannten „Grundvollzügen“: Verkündigung bzw. Zeugnis-Geben, Liturgie, Diakonie bzw. helfendes Handeln an den Mitmenschen und Gemeinschaft.
In der Apostelgeschichte klingt das so:
*  die Gläubigen halten sich an die Lehre der Apostel, ihre überzeugende Botschaft vom Gekreuzigten, der auferstanden ist, und an ihr überzeugendes Handeln („Wunder und Zeichen“) – so geschieht Verkündigung!
*  die jungen Christen pflegen ein intensives Gebetsleben, entsprechend ihren jüdischen Wurzeln, und feiern - dem Auftrag Jesu gemäß – das Herrenmahl („Brotbrechen“) – sie feiern Liturgie!
*  sie schauen, dass jeder das zum Leben Nötige hat (vgl. auch Apg 6,1-7), sie teilen, ja sie haben volle Gütergemeinschaft – das ist diakonisches, also dienendes Handeln!
*  sie halten zusammen, pflegen einen offenen, ehrlichen Umgang miteinander („Lauterkeit des Herzens“) und integrieren neue Jesus-Gläubige – so sieht eine gute Gemeinschaft aus!
Ja, man spürt die Begeisterung des Anfangs, die „Message“, die verkündet wird, die praktikable Form der Umsetzung (bis heute!), die Füße am Boden – und worauf letztlich alles hinausläuft: auf die Rettung, die in Christus bereits aufgeleuchtet ist.


In die gleiche Richtung zielt die zweite Lesung. Auch dort geht es um Rettung. Was meint Rettung? Ich verstehe darunter: dass mein Leben gelingt, dass das Übel nicht so nahe an mich rankommt, dass ich nicht alles allein und mit eigenen Kräften meistern muss, dass ich aufrecht (be-)stehen kann, dass ich angenommen und aufgehoben bin (bei IHM). Jesus hat diese Perspektiven mit seinem konsequenten Handeln für uns – für mich – geöffnet.
Der Petrusbrief beschreibt das mit einer Neuschöpfung aus der Auferstehung Jesu und mit anderen feierlichen Worten: Erbe, Freude, Herrlichkeit – das ist ein Blick in den Himmel, wie er uns Christen gut ansteht.

Von Rettung spricht auch der Psalm 118, der die Osterzeit prägt, weil so vieles dort angesprochen und ausgesprochen wird, was wir als Voraussage auf Jesus und seine Auferstehung deuten können: dem Tod schicksalhaft nahe und doch lebendig, von vielen Seiten bedroht, aber von Gott befreit mit der Gewissheit, bei ihm geborgen, gut aufgehoben zu sein – so wie das auch das Volk Israel am Schilfmeer erlebt hat. Der Psalm bringt Dank und Lob auf die Huld (=Zuwendung) Gottes zum Ausdruck.

Dass der Weg zum gläubigen Annehmen der Auferstehungs-Botschaft, zum Zeugnis-Geben auf Erden, zum Aufstreben in himmlische Herrlichkeit keine „g’mahde Wies’n“ ist, davon erzählt das Evangelium …


Herbert Berndl, Pastoralassistent 




» Eine Art Ostern «
zum Evangelium nach Johannes 20,19-31

»Bleib‘ zu Hause. Schau auf dich.« Nicht (!) am Sonntag in die Kirche gehen – wegen Corona-Erlaß, mit dem Segen der kirchlichen Obrigkeit! Eine Art Ostern?
Auch damals waren die Türen verschlossen. Angst und Furcht bestimmten die Tage. 
Die sichtbare Katastrophe des Karfreitags wie die unsichtbare des Covid-Virus lösen dasselbe aus: Angst um das Leben, Furcht vor der ungewissen Zukunft.
Wo ist Licht, wo Rettung?
Johannes erzählt: Sie waren (hinter verschlossenen Türen) beisammen. Abgeschottet. Isoliert – aber: in Gemeinschaft. Diese kann zum Schauplatz des Auferstandenen werden. Sein Gruß «Schalom» bedeutet «gelingendes Leben». Friede ist mehr als Waffenstillstand: Friede ist Aufatmen, geborgen sein, mit verwundetem Leben ans Ziel gelangen. Entgegen jeder (religiösen) Eigenbrötelei, die die eigene Seele zu retten sucht.
"Wer mitmacht, erlebt Kirche, begegnet dem Auferstandenen." Deshalb wächst die Sehnsucht, den Sonntag wieder in größerer Gemeinschaft feiern zu dürfen.
Davon erzählt auch der "Hauptdarsteller" des Evangeliums am Weißen Sonntag:
"Acht Tage darauf waren sie wieder drinnen versammelt – und Thomas war dabei." Thomas, der "Zwilling". Die Schriften nennen keinen leiblichen Bruder – oder war es eine Schwester? Manche meinen daher, Jesus habe ihn "Zwilling" genannt, weil er ihm so ähnlich gewesen sei.
Thomas, der Freund und Begleiter. Als Jesus sich auf den Weg zum verstorbenen Lazarus von Betanien macht, sagt er: "Gehen wir mit Jesus und sterben wir mit ihm." (Joh 11,16)
Als Jesus den Abschied vorbereitet, um zum Vater zu gehen, ist es Thomas, der fragt: "Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir den Weg kennen?" Thomas ist ein Suchender, der die Wirklichkeit hinterfragt. Seiner Frage verdanken wir eines der sieben "Ich-bin-Worte" Jesu: "Ich bin Weg und Wahrheit und Leben." (Joh 14,6)
Schließlich ist Thomas der Patron aller, die sich schwertun mit "Auferstehung". Er sucht nach der handgreiflichen Bestätigung. Dann spricht er das Glaubensbekenntnis: "Mein Herr und mein Gott!" Aber der Verstand und das Begreifen ist nicht der Weisheit letzter Schluss: "Selig, die nicht sehen und doch glauben." (Joh 20,29)
Noch ist uns zur Zeit aufgetragen, auf Abstand zu gehen, uns und andere zu schützen. Doch wo es möglich ist – in der Familie, im kleinen Umfeld – suchen wir die Begegnung mit dem Auferstandenen: betend, singend, und wenn wir uns miteinander zu Tisch begeben.

»»Gott, du bist da. Deine Gegenwart umhüllt uns wie die Luft die wir atmen, ohne die wir nicht leben können. Gib, dass wir dir vertrauen und leben ohne Angst. (Meßbuch)

Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden.

Hans Steinwender, priesterlicher Mitarbeiter




 

"Grüß Gott" 
zum Ostersonntag



Bild: M. Innerhofer/A. Moser (Ostern - Mt 28,1 – 10)


Ostern

Ein Hoffnungsfunke,

geboren in der Tiefe der Nacht.

Das Leben setzt sich durch in der Dunkelheit.

Ein Hoffnungsfunke,

entzündet durch ein Feuer, das nie mehr verlöscht,

das Wärme und Zuversicht schenkt.

Ein Hoffnungsfunke

gemacht aus Liebe und Dankbarkeit

Ein Lidschlag der Veränderung in unserem Leben,

der das Licht in uns erweckt.

Ein Hoffnungsfunke im Hier und Jetzt,

mit der Kraft der Auferstehung, Lebenszeichen wohin du auch schaust.

Ein Hoffnungsfunke  -

der uns auf den Weg in die Freiheit führt,

auf den Weg in ein Leben in Fülle.

Eine ungeheure Botschaft der Liebe Gottes an uns.


Magdalena Innerhofer, Religionslehrerin




HOCHFEST DER AUFERSTEHUNG DES HERRN - OSTERN 2020

„Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. ... Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen„ (1 Kor 15,13-14.20)


GEDANKEN ZUM OSTERFEST

Die heiligste Osternacht und „Mutter aller Vigilien“, das Fest der Auferstehung Jesu Christi, ist das Hauptfest der Kirche. Der Gekreuzigte ist wahrhaft von den Toten auferstanden! (vgl. Mt 28,6f). Er hat der dunklen Nacht des Todes den Schrecken genommen. Er hat die Finsternis von Folter, Leid und Tod überwunden und will auch uns sicher durch die Finsternis zum neuen Morgen des ewigen Lebens führen. Deshalb wird in dieser Nacht das neue Feuer und die Osterkerze (als Symbol für den auferstandenen Christus) ganz bewusst in die Mitte gestellt. Christus, das Licht der Welt, hat den Tod besiegt, er hat uns die Liebe Gottes bis zum Äußersten gezeigt. Wir feiern den Sieg des Lebens über den Tod, an dem auch wir teilhaben, wenn wir uns zu Christus bekennen und sein Gedächtnis begehen.
Alle Evangelisten erzählen vom Ostermorgen, dass Frauen sich schon beim Anbruch des ersten Tages der Woche auf den Weg zum Grab Jesu machen. Sie wollen Grabpflege betreiben. Doch unglaubliches ist geschehen: Der Stein ist weggewälzt! Das Grab ist leer! Der Engel verkündet ihnen: „Er ist nicht hier; denn er ist von den Toten auferstanden“ (Mt 28,6). Christus hat den Tod besiegt. Die Angst der Nacht ist verschwunden, der Tod überwunden! Mit der ganzen Christenheit freuen wir uns über den Sieg Jesu Christi über den Tod: Er ist wahrhaft auferstanden und ins Leben gegangen. Die alte Welt ist vergangen! Auch für uns wurde der Stein vom Grab gewälzt. Bei der letzten Generalaudienz hat Papst Franziskus mit Blick auf die Corona-Pandemie Hoffnung gegeben mit den Worten: „Ostern sagt uns, dass Gott alles zum Guten wenden kann“. Jesus schenkt uns neues Leben mit ihm und führt uns vom Dunkel der Nacht in das Licht des neuen Tages. Die Osterhoffnung bringt uns Zuversicht.
Die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus ist das Fundament unseres Glaubens und Christseins. Wenn Jesus nicht auferstanden wäre, dann hätten ja die Kräfte und Machenschaften gesiegt, die ihn ans Kreuz gebracht haben. Da Jesus aber auferstanden ist, siegen nicht Verrat, ungerechtes Urteil, Terrorismus, politisches Kalkül und Bosheit, sondern die Aufrichtigkeit und Wahrheit, für die er steht und immer eingestanden ist. Die Liebe und Sehnsucht nach Leben ist immer stärker als der Tod. Neue, österliche Menschen sind wir, wenn wir die Dunkelheit des Lebens auszuhalten versuchen im Blick auf das österliche Licht. Wir sind österliche Menschen, und unser Lied ist das Halleluja.
Ich wünsche uns von ganzem Herzen, dass wir jede und jeder von uns mit österlicher Freude erfüllt werden und sie miteinander teilen.

Dr. Novatus MRIGHWA – Priesterlichen Mitarbeiter




Morgenröte und Auferstehung

Ein Ausspruch von Dom Helder Camara ist mir in meinen Aufzeichnungen untergekommen:
„So schwarz war die Nacht, dass mich Angst befiel. Da hat sie mir ein Geheimnis anvertraut: Je mehr die Nacht Nacht ist, umso schöner wird die Morgenröte, die sie im Schoß trägt.“
So schwarz wie die Nacht war die Situation damals, als Jesus, der Messias, der Retter, starb und ins Grab gelegt worden ist.
So schwarz wie die Nacht ist die Situation heute, wenn wir plötzlich unser Leben umkrempeln müssen, hilfreiche und wohltuende Kontakte nicht mehr im gewohnten Ausmaß pflegen können, wenn Ängste um die Zukunft uns belasten, Unsicherheiten unseren festen Stand ins Wanken bringen, berührende Feste unseres Glaubens verbunden mit vielen Traditionen plötzlich ein großes Umdenken erfordern…..und genau in diese Zeiten hinein ist uns OSTERN geschenkt.
Es ist das Geheimnis der NACHT:  Sie trägt in ihrem Schoß die Morgenröte und bringt uns zum faszinierenden Staunen über ihre Schönheit und ihre Aufgabe: Uns in ein neues Licht zu führen, uns einen neuen Tag anzuvertrauen.
Es ist das Geheimnis von OSTERN: Das Sterben trägt Auferstehung in sich, der Tod neues Leben, die Traurigkeit auch wieder Freude, der Streit auch wieder Versöhnung, die Krankheit auch wieder Gesundheit, die Einschränkung auch wieder Befreiung….
OSTERN der HOFFNUNGSFUNKE.
Dafür bedarf es aber auch unserer eigenen Bewegung. Für die Morgenröte müssen wir die Augen öffnen, für die Auferstehung müssen wir ebenso wach werden, selber aufstehen und uns nicht verstecken oder einigeln, sondern die kleinsten Zeichen der Hilfe dankbar annehmen, uns mit der Herausforderung beschäftigen und alles dafür tun, dass Neues möglich und erfahren wird. Beispiel sind uns dafür schon die Frauen und Jünger von damals.
OSTERN ist für uns die Morgenröte, die uns ein Staunen und zugleich das große Lächeln der Freude ins Gesicht zaubert. Wir erleben in Jesus einen Gott, der unser Menschsein durch und durch kennt, der uns versteht, weil er die Leiden durchlitten hat und weil er unseren Tod gestorben ist.
Mit seiner Auferstehung lässt er uns aufstehen aus den Bedrückungen und Belastungen, die das Leben schwer machen. Mit OSTERN leben wir immer wieder von neuem auf.
Und denken wir daran:
„Je mehr die Nacht Nacht ist, umso schöner wird die Morgenröte, die sie im Schoß trägt.“
OSTERN weckt auf, damit wir Jesus sehen und dieses Mut machende Erlebnis weitersagen und unseren Mitmenschen mitteilen, wie es damals schon die Frauen und Jünger getan haben.
JESUS CHRISTUS IST AUFERSTANDEN. ER IST WAHRHAFTIG AUFERSTANDEN!

Im Namen unseres Pfarrteams wünsche ich allen gesegnete Osterfeiertage
Alois Moser, Pfarrer



 

"Grüß Gott" 
zum Karfreitag 

Bild: M. Innerhofer (Karfreitag)


In deine Hände lege ich meine Hände,

damit sie lernen, so zu handeln, wie du.

In deine Hände lege ich meine Schritte,

damit ich meinen Weg finde, ohne Angst.

In deine Hände lege ich mein Handeln,

damit ich für andere Menschen da sein kann.

In deine Hände lege ich meine Gedanken,

damit ich nie über andere urteile.

In deine Hände lege ich meinen Geist,

damit ich die Gegenwart Gottes in meinem Leben spüre.

In deine Hände lege ich mein Herz,

damit ich deine Liebe spüre.

Magdalena Innerhofer, Religionslehrerin




Zu den Lesungen:
aus dem Buch Jesaja (Jes 52,13-53,12: Das Leiden, das Sterben und die Erhöhung des Gottesknechtes), 
aus dem Buch der Psalmen (Ps 31,2.6,12-13,15-17.23: Gebet um Gottes Beistand und Bekenntnis des Vertrauens in Gottes Hilfe),
aus dem Brief an die Hebräer (Hebr 4,14-16;5,7-9: Jesus, der Hohepriester, ist durch Leiden zur Vollendung gelangt),
aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 18,1-19.42: Passionserzählung)


Wir begehen heute den Karfreitag und gedenken des Sterbens und des Kreuzestodes unseres Herrn Jesus Christus.

Die erste Lesung aus dem Buch Jesaja führt uns das Schicksal des „Gottesknechtes“ vor Augen. Der Textabschnitt beginnt mit einer großen Verheißung Gottes über seinen Knecht, die die Darstellung einer weiteren Erfolgsgeschichte erwarten lässt. Dieser Erfolg, wie auch die Gestalt des „Gottesknechtes“, werden durch die nachfolgenden Verse noch geheimnisvoller gemacht: Denn einerseits wird der „Gottesknecht“ als einer beschrieben, der körperlich derart entstellt ist, dass er „nicht mehr wie ein Mensch“ (Jes 52,14) aussieht und daher bei vielen Entsetzen auslöst, andererseits soll ausgerechnet er viele Völker und Könige zum Staunen und zur Erkenntnis einer bislang nie erfahrenen Wahrheit bringen.

Doch bevor die Ursache für jenes übergreifende Staunen genannt wird, folgen weitere Beschreibungen des „Gottesknechtes“: Da er „keine schöne und edle Gestalt“ (Jes 52,2) aufweist, finden die ihn Umgebenden keinen Gefallen an ihm. Von den Menschen nicht wertgeschätzt, wird er verachtet und gemieden. Schmerzen und Krankheit sind ihm nicht fremd. Vers für Vers vermehren sich die Leiden und die Lasten, die der “Gottesknecht“ trägt. Zugleich wird wiederholt betont, dass er sie in Stellvertretung für andere Menschen erleidet und trägt.

Und gerade das Geschilderte ist der Grund für jenes übermächtige Staunen: Dass der „Gottesknecht“ für andere ein solches Leidensschicksal auf sich nimmt. Dass er zudem auf die brutale Gewalt, die ihm angetan wird, absolut gewaltlos reagiert und zuletzt - stellvertretend für andere - sowohl den gewaltsamen Tod als auch ein Grab bei den Verbrechern auf sich nimmt.

An dieser Stelle schließt der Text jedoch nicht ab. Er lenkt vielmehr den Blick auf Gottes weiteres Handeln an seinem Knecht: Er hat Gefallen an ihm, rettet ihn, „der sein Leben als Sühnopfer hingab“ (Jes 52,10) und schenkt ihm langes Leben. Der „Gottesknecht“ erblickt das Licht. Er wird hoch erhoben. Die einst Ungerechten, für die er stellvertretend eintrat, sind durch sein Handeln vor Gottes Augen gerecht gemacht. Die eingangs stehende Verheißung über den „Gottesknecht“ findet dadurch Erfüllung: Nicht Schuld und Tod, sondern Gott mit seiner Gabe des Lebens und des Lichtes hat das letzte Wort.


Der Antwortpsalm stellt ein thematisches Bindeglied zwischen erster und zweiter Lesung dar, indem er das eindringliche Flehen eine Beters um Gottes Beistand zu Gehör bringt, das sich mit Bekenntnissen seines tiefen Vertrauens in Gottes baldige Hilfe abwechselt und schlussendlich in den Aufruf anderer mündet, auch in der Not „stark und unverzagt“ auf das Eingreifen Gottes zu warten.


Die zweite Lesung führt uns Jesus, als den Hohepriester vor Augen. Seine Darstellung ist kontrastreich: Auf der einen Seiten wird Jesu Hoheit betont. Er ist der, der „die Himmel“ - den Bereich Gottes - „durchschritten“ (Hebr 4,14) hat. Dies ist in besonderer Weise durch seine Auferweckung und Himmelfahrt erfolgt. Er, der Sohn Gottes, stammt von Gott und gehört zu ihm. Auf der anderen Seite hebt der Textabschnitt das wahre Menschsein Jesu hervor. Er, der menschgewordene Gottessohn ist es, der mitfühlen kann mit unserer Schwäche. Denn auch er wurde versucht (Mt 4,1-11 u.a.). Er wurde uns Menschen in allem gleich, außer in dem, dass er ohne Sünde blieb. Aus diesem Grund, so ermutigt der Schreiber des Briefes, dürfen wir Menschen furchtlos mit allen unseren Anliegen vor Jesus treten, um im Vertrauen auf seinen Beistand mit Erbarmen und Liebe beschenkt, von ihm Hilfe zu erfahren.

Denn Jesus, obwohl er Gottes Sohn war, war keiner, dem Leid fremd war. Jesus kannte Verlassenheit, Angst und Schmerz, nicht zuletzt im Garten Getsemani. In diesen Stunden äußerster Not wandte er sich mit „Gebet und Bitten“ (Hebr 5,7) an seinen Vater, voll tiefen Vertrauens in dessen wirkmächtigen Beistand. Und er erfuhr Gottes Hilfe, wenn auch nicht in der Beendigung seines Leidens. Von Menschen verachtet, durch Folter gequält und entstellt, blieb Jesus letztendlich selbst der schmachvollen Tod am Kreuz nicht erspart. Selbst unschuldig, nahm er ihn geduldig an - in Stellvertretung für die Sünden anderer. Selbst unschuldig, wehrt er sich nicht gegen Anfeindungen, Schläge, Schmach und Schande, sondern blieb gehorsam gegenüber Gottes Willen im Vertrauen auf dessen Ratschluss und Hilfe (vgl. Mk 15,16-32 u. a.).
Durch sein Leiden lernte er das Hören auf Gott. Sein liebender Gehorsam machte ihn jedoch nicht klein und unfrei. Vielmehr: durch seinen Gehorsam bis zum Tod am Kreuz wurde er zum „Urheber des ewigen Heils“ (Hebr 5,9). Denn Gott fand Gefallen an ihm und ließ ihn nicht im Grab, sondern erweckte ihn von den Toten zur Vollendung in seiner Herrlichkeit.

Und der Text sagt weiter: Auch denen, die auf Jesus hören, ist durch sein Handeln ebenfalls ewiges Heil verheißen. Denn indem Jesus gehorsam war bis in den Tod, hat er es seinem Vater ermöglicht, unüberbietbar wirkmächtig zu zeigen, dass Sünde und Tod nicht das letzte Wort haben, sondern er, Gott selbst - und damit das Leben.
In seiner durchgehaltenen Treue zu Gott ist Jesus aber zugleich auch Vorbild für uns und Zeuge dafür, dass es nicht vergeblich ist, auch in Leiden und Not den Glauben an und das Vertrauen in Gott, unseren Vater, nicht aufzugeben, sondern vertrauend und hoffend sein Eingreifen zu erwarten.

Als nachösterliche Menschen können wir, den Textabschnitt der ersten Lesung auf Christus Jesus hin deutend sagen, dass das, was dort im Buch Jesaja über die Figur des „Gottesknechts“, geschrieben wurde, in Jesus Christus einmalige Vollendung gefunden hat. Denn durch Jesu stellvertretendes Leiden und Sterben am Kreuz und seine glorreiche Auferweckung und Vollendung durch Gott, ist die Menschheit von Schuld und Tod erlöst. Vor diesem Hintergrund können wir das, was vor Ostern nicht möglich war, heute im Gedenken des Sterbens und des Kreuzestodes unseres Herrn Jesus Christus voll Dankbarkeit und mit Lobpreis bekennen: Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Hoffnung, im Kreuz ist Leben.

Christina A. Reichel, Pastoralpraktikantin


 

Karfreitag – nicht wegschauen, sondern hinschauen

Die Passion nach Johannes erzählt uns das Leiden Jesu. Es wird die Brutalität und Grausamkeit spürbar, die Einsamkeit im Leiden, die Schmerzen, die Ohnmacht, das Gefühl der Gottverlassenheit…bis letztendlich zum „Es ist vollbracht!“
Das ist die Zumutung des Karfreitags. Das ist die Zumutung des christlichen Glaubens.
Jesus ist wirklich gestorben, genauso grausam und wirklich wie Tag für Tag Menschen in unserer Welt sterben, umkommen vor Hunger oder durch schwere Krankheiten, umgebracht werden aus Habgier, Eifersucht, Hass; genauso wie Menschen aus politischen oder religiösen Gründen gefoltert und gequält werden….Jesu Leiden und Tod sind genauso wirklich und grausam wie die  Leiden und der Tod unzähliger Menschen heute.
Angesichts all der Krisen heute haben wir dennoch guten Grund, die Hoffnung nicht zu verlieren. Diese Hoffnung liegt begründet in Jesus, menschgewordener Gott.
Unser Hinschauen auf diesen Abschnitt im Leben Jesu, unser Innehalten zur Todesstunde macht uns die Nähe dieses Gottes zu uns Menschen ganz bewusst. Damit halten wir auch durch, wenn uns Leid und Schmerz zuinnerst aufwühlen. Wir beugen uns hin zu dem, der selbst die Last getragen hat, zu Jesus Christus, und legen alles hin, was uns am Herzen liegt. Wir werfen es ihm nicht vor die Füße, denn wir bringen das zu ihm, was zu unserem Leben gehört. Es ist wertvoll, das, was uns Freude bereitet, denn es stützt das Leben. Es ist wertvoll, das, was wir als Leid, Traurigkeit und Schmerz erfahren, denn gerade da ist die Verbundenheit besonders zu spüren. Wir schauen auf das Kreuz, denn es zieht unseren Blick zum Himmel, zu Gott selbst und erinnert zugleich an unseren Platz in dieser Welt, in unseren Familien in unseren Verantwortungen und lässt auch die Sehnsucht zu nach Geborgenheit unter uns Menschen und zeichnet doch auch ein Plus über uns und führt uns letztlich zum Ostermorgen.
Karfreitag – nicht wegschauen vom Kreuz, sondern hinschauen zum Kreuz, denn es begleitet unser Leben mit Kraft und Weisheit, mit Hoffnung und Zuversicht, dass das Licht jegliche Finsternis verdrängen wird.

Alois Moser, Pfarrer


 


"Grüß Gott" 
zum Gründonnerstag




Bild: M. Innerhofer (Gründonnerstag - Joh 13 , 1-15)


Feierstunde

Du lässt uns ganz still werden,
in dieser Feierstunde,
in der wir großes von dir erwarten.

Du lässt uns ganz still werden,
weil du das Unerwartete tust,
weil du dich für uns klein machst,
weil du dich vor uns beugst,
und uns zeigst, wie das Leben weitergehen soll,
weil du uns zeigst, was uns trägt und was wirklich zählt.

Du lässt uns ganz still werden
und uns vor dir verbeugen,
vor deiner Wärme,
vor deiner Zärtlichkeit,
vor deiner Menschlichkeit,
vor deinem Leben.

Magdalena Innerhofer, Religionslehrerin


Zu den Lesungen:
aus dem Buch Exodus (Ex 12,1-8,11-14: Anordnungen zur Feier des Paschafestes),
aus dem Buch der Psalmen (Ps 116,12-13.15-18: Dank für Gottes große Taten),
aus dem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 11, 23-26: Anordnungen zur Feier des Gedächtnisses des Herrn bis zu seiner Wiederkunft),
aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 13,1-15: Die Fußwaschung).


Die erste Lesung aus dem Buch Exodus gibt detaillierte Anordnungen zur Feier des Paschamahles wieder; die zweite Lesung hat einen Ausschnitt aus dem ersten Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth zum Inhalt, in dem exakte Handlungsanweisungen enthalten sind, wie das Mahl zum Gedächtnis des Herrn zu feiern ist. Beide Mahlfeiern, so unterschiedlich sie von ihrem Charakter her auch sind, weisen signifikante Gemeinsamkeiten auf:


Errettung

Der zentrale Inhalt, der beim Paschafest gefeiert wird, ist die Rettung der Israeliten vor dem Strafgericht, das Gott in der Nacht an
den Ägyptern vollzieht. Denn nur an den Häusern der Israeliten, an deren Türpfosten das Blut des Passalammes gestrichen ist, wird
Gott vorübergehen und das angedrohte Unheil nicht verhängen (Ex 12,13).
Dadurch, dass Jesus unschuldig am Kreuz sein Blut für uns vergossen hat, wird der „Neue Bund in“ Jesu „Blut“ (1 Kor 11, 25)
zwischen den Menschen und Gott geschlossen, werden wir Menschen als Sünder endgültig vor Gottes Gericht gerettet. -
Das feiern wir heute an Gründonnerstag: Durch Jesus Christus sind wir gerettet. Und wir feiern das in …


… Gemeinschaft.

Das Paschamahl wird in erster Linie in der Hausgemeinschaft gefeiert (Ex 12,3-4). Denn die Hausgemeinschaft ist nicht nur Lebens-,
sondern auch Glaubensgemeinschaft. Die gemeinsame Feier des Paschamahles zur gleichen Zeit schließt das gesamte Volk Israel zu
einer Gemeinschaft der Geretteten zusammen.
Auch das Abendmahl ist ein gemeinsames Mahl in kleinem Kreis. Jesus feiert es gemeinsam mit seinen Jüngern. „Tut dies (…) zu
meinem Gedächtnis!“ (1 Kor 11,24.25), trägt er ihnen auf. -
Dieses Jahr werden wir in erster Linie als Einzelpersonen, in der Familie oder kleinen Hausgemeinschaften feiern. Durch die Feier der
Gründonnerstagsliturgie allein, durch Teilnahme an Fernseh-Gottesdiensten oder in einzelnen kleinen Gemeinschaften zu Hause,
werden wir zu einer einzigen feiernden Gemeinschaft zusammengeschlossen, zu einer Gemeinschaft im …


… Gedenken.

Bei der Feier des Paschafest spielt das Gedenken eine zentrale Rolle. Die dankbare Erinnerung daran, dass Gott die Israeliten einst
aus der Sklaverei in Ägypten befreit und ins gelobte Land geführt hat, ist wesentlich (Ex 12,14).
Als Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl feiert, trägt er ihnen auf, es immer wieder in Erinnerung an ihn zu feiern: „Tut
dies (…) zu meinem Gedächtnis!“ (1 Kor 11,24.25). Er richtet diese Aufforderung an die Gemeinschaft derer, die an ihn glauben und
ihm nachfolgen. -
Und auch uns gilt diese Aufforderung. Erinnert Euch meiner und meiner Heilstaten: Tut dies zu meinem Gedächtnis! In der Feier des
Gründonnerstags sollen wir uns dankbar erinnern, dass Jesus sein Leben hingegeben hat, um uns zu retten. Im Gedenken an ihn
sollen wir aber auch bereit sein zum …


… Aufbruch.

Das jüdische Paschafest ist ein Fest des Aufbrechens. Das erste Paschafest feierten die Israeliten mit den Schuhen an den Füßen,
dem Stab in der Hand, zum Aufbruch bereit (Ex 12,11) in der Erwartung des machtvollen Handeln Gottes, das ihnen die Befreiung
bringt.
Paulus weist die junge Gemeinde in Korinth an, den Blick nach vorne nicht zu verlieren und in der Feier des Gedächtnisses des Herrn
nicht nachzulassen, bis er einst wiederkommt (1 Kor 11,26). -
Wenn wir die Feier des Gründonnerstags heute begehen, sollen auch wir die Zukunft nicht aus den Augen verlieren und zum
Aufbruch bereit sein. Denn auch wir sind als Kirche als Weggemeinschaft unterwegs: Gott und seinem Reich der Freiheit und Lichtes
entgegen. In unserem Feiern am heutigen Abend können und sollen wir in Dankbarkeit und zum Aufbruch bereit als Einzelne in der
Gemeinschaft als Errettete gemeinsam gedenken: der großen Heilstaten Gottes zum Lobe seines Namens. - Tut dies zu meinem
Gedächtnis!


Der Antwortpsalm verklammert die erste und zweite Lesung thematisch miteinander durch das zentrale Motiv des Erhebens des
Kelches zum Lobpreis des Herrn in Dankbarkeit für dessen großen Heilstaten.

Christina A. Reichel, Pastoralpraktikantin


Abschied – Dankbarkeit und Vermächtnis

Ein Gedanke dieses Tages und der abendlichen Feier ist Abschied.
Jesus verabschiedet sich von seinen Jüngern. Zum Abschied gehören auch Dankbarkeit und der Wunsch nach Bleibendem.
Mit dem Blick auf die biblischen Texte des Gründonnerstags sind wir hineingenommen in Dankbarkeit und Vermächtnis.
Wir danken Gott, dass er ein den Menschen naher Gott ist. Ein geknechtetes Volk erlebt, wie Gott es in die Freiheit führt. Die Menschen erfahren Gottes Güte und Sorge auf drastische Art und Weise. Gott lässt sie nicht im Stich. Er ist JAHWE – ER ist DA!
ER ist HEIL und RETTUNG und unterstreicht dies mit seiner Menschwerdung in Jesus.
„Gott rettet“ mit Jesus den Menschen aus aller Selbstverliebtheit, aus jedem Egoismus und eröffnet uns das Hinschauen auf Gemeinschaft und Miteinander und auf das daraus resultierende Heil für alle Menschen.
Dafür schenkt er uns die besonderen Zeichen dieses Abends:
Mit der Fußwaschung durchbricht Jesus alle Über- und Unterordnungen und zeigt an, dass es ihm auf Aufmerksamkeit, Respekt und Wertschätzung ankommt.
Das Miteinander erhält Kraft vom Füreinander.
Wir erleben es gerade in dieser herausfordernden Zeit. Das gute Gespür für Hilfe erfreut, lässt zusammenwachsen und zuversichtlich bleiben. Das Bild Jesu spiegelt sich deutlich wieder.
Einher geht damit das Mahl halten zu seinem Gedächtnis.
Ein Gedächtnis feiern ist die Erinnerung feiern. Wir halten Jesus lebendig und lassen nichts in Vergessenheit geraten. Mahl halten verbindet und stärkt die Gemeinschaft. Auch wenn in diesem Jahr das „große Zusammenkommen“ nicht möglich ist, eines bleibt gewiss: Jesu Wort an uns: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe!“
Noch eine Szene prägt diesen Abend: Der Gang mit Jesus zum Ölberg.
Für das Kommende sucht Jesus die Kraft im Gebet. Er will die Verbundenheit mit dem Gott, der nicht allein lässt, der da ist, spüren und bestärkt den Weg fortsetzen.
Die Umstände, die uns heuer durch die Fastenzeit begleitet haben und jetzt Ostern feiern lassen, haben uns  mehr denn je das Beispiel und Vermächtnis Jesu in unsere Herzen hineingelegt und so ist das Gebet auch für uns eine große Kraftquelle geworden, damit jeder Abstand trotzdem auch wohltuende Nähe spüren lässt.

Alois Moser, Pfarrer



 

 

 

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