Der Volksaltar in der Saalfeldner Stadtpfarrkirche

Im Jahr 2005 wurde der Altarraum des Salzburger Domes neu gestaltet. Der bis dahin dort verwendete hölzerne Volksaltar von 1972 wurde durch einen marmornen ersetzt und, da er vom Bildhauer Jakob Adlhart stammt, im Vorjahr unserer Pfarrkirche überlassen.

Hier bildet er nun mit dem großen Kreuz und den Figuren, die ja auch größtenteils von Meister Adlhart sind, eine neue Einheit in der gleichen, kräftig-wuchtigen Formensprache.


Grundsätzliches zum Thema “Altar”; allein dieser macht einen wie auch immer gestalteten Raum zum Gotteshaus.

In den einleitenden Artikeln zum Messbuch (bes. Nr. 262) wird demnach auch die Bedeutung des Altares hervorgehoben und ein Idealbild entworfen: Er soll die Mitte des Raumes bilden, “dem sich die Aufmerksamkeit der Gemeinde wie von selbst zuwendet”. Der Priester verehrt ihn bei der Messfeier mit einem Kuss bzw. mit Weihrauch, denn der Altar versinnbildlicht Christus, der seine Gläubigen um sich versammelt.

Diese Vorstellung ist in unseren alten Kirchenräumen nicht wirklich spürbar bzw. schwer umsetz-bar, weil die Gotteshäuser meist aus einer Zeit stammen, die ein anderes Verständnis von Liturgie hatte. Bei Umgestaltungen – in unserer Pfarrkirche steht eine solche noch aus – ist diese Idealvorstellung der mit und um Christus versammelten Gemeinde aber auf jeden Fall zu berück-sichtigen.

Und noch ein Wort zum Begriff: Manche Fachleute lehnen den Ausdruck “Volksaltar” ab, weil er falsch verstanden werden könnte. Er hat sich freilich schon fest eingebürgert und kommt von der lateinischen Wendung, dass der Priester am Altar “versus populum”, also zum Volk gewendet steht – im Gegensatz zu den alten Hochaltären mit Tabernakelaufbauten, wo dies nicht möglich war.

Die Darstellungen am Stipes zeigen Heilige, die mit Salzburg eng verbunden sind, die aber auch am neuen Aufstellungsort ihre Bedeutung haben: An den beiden Seitenflächen sind links der hl. Martin, der Stadtpatron von Salz-burg und rechts die hl. Erentrudis, die Salzburger “Landesmutter”, abgebildet.

An der Vorderfront sind die Diözesanpatrone Rupert und Virgil zu sehen. Sie halten gemeinsam ein Modell des Domes in seiner früheren Gestalt. Das bezeichnet sie als Gründer bzw. Erneuerer der Salzburger Domkirche, will aber noch mehr sagen: Sie tragen durch ihr Wirken, ihr Vorbild und ihre Fürbitte ihre Orts- bzw. Teilkirche, also die Erzdiözese Salzburg.

Gerade in der Zeit, wo zur Mitarbeit in der Kirche vor Ort – etwa auch im Pfarrgemeinderat – aufgerufen wird, sind die beiden Heiligen somit mahnende Wegweiser.

Auf der rückseitigen Front wird mit den hll. Petrus und Paulus (s. Bild) auf einen weiteren Horizont verwiesen, nämlich die Weltkirche. Als die beiden Apostel in Rom wirkten (1. Jhdt.), war diese Stadt das Zentrum der “zivilisierten” Welt. Auf die Bedeutung der Apostel Petrus und Paulus gestützt, ist Rom bis heute Mitte unserer Glaubensgemeinschaft, die die ganze Erde umspannt. Der im Hintergrund angedeutete Petersplatz mit seinem weiten Oval drückt dies symbolisch aus.

Text: Herbert Berndl
Bild: Alois Eder