Einsiedelei am Palfen zu Saalfelden

In Saalfelden pilgerten schon seit dem 16. Jh. Menschen zur Felsenhöhle oberhalb des Schlosses Lichtenberg, wo sie das Bildnis des hl. Georg, Schutzpatron der Tiere, verehrten.

1664 wurde Thomas Pichler, einem Bauernsohn aus Embach, die Erlaubnis erteilt, sich als Einsiedler oberhalb des Schlosses Lichtenberg niederlassen zu dürfen. Er baute jene Höhle, in der das Bildnis des hl. Georg verehrt wurde, zu einer Kapelle aus.

1677 wurde die Messlizenz gewährt.

Unterhalb der Höhle wurde die Einsiedelei an den Felsen gebaut. Zu seiner persönlichen Erbauung ist darin auch eine kleine Kapelle eingerichtet. Die Klausner besorgten insbesondere während der Nacht den Feuerwachdienst. Sobald sie einen Brand bemerkten, läuteten sie mit der Glocke. Als Entschädigung durften sie mit obrigkeitlicher Genehmigung in den Gemeinden Saalfelden, Maria Alm, Leogang, Weißbach, St. Martin und Lofer Spenden sammeln.

Obwohl das Eremitentum zu Beginn des 19. Jhs. verboten wurde, riss die Tradition – im Unterschied zu den meisten übrigen Einsiedeleien – in Saalfelden nicht ab. So finden sich auch heute noch nach dem Abgang eines Einsiedlers immer wieder genügend Bewerber. Sie werden vom Bürgermeister angelobt und vom Saalfeldner Pfarrer installiert. Weder von Gemeinde noch Kirche erhalten sie ein Gehalt. Der Einsiedler muss in der Lage sein seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Das betrifft auch das “Dach über dem Kopf”, denn in der Klause wohnt der Einsiedler nur zwischen Ende April und Ende Oktober.

2004-2016 wurde die Einsiedelei von Bruder Raimund von der Thannen aus dem Kloster St. Lambrecht während der Sommermonate ausgezeichnet betreut.

(Alois Eder nach Chronik Saalfelden)

Bruder Raimund von der Thannen schrieb:

“Eine Mixtur aus Krankheit, eigenem Versagen und Schuld, aus früheren Fehlentwicklungen und widrigen Umständen hat mich an jenen Abgrund gebracht, an dem man sagt: “Dieses Leben kann ich nicht mehr leben” Ob Gott es so wollen hat, will und kann ich nicht beurteilen, aber zumindest hat er es zugelassen.

Drei Monate nach einer Krebsoperation habe ich den Jakobsweg unter die Schuhe genommen und bin von Vorarlberg nach Lourdes gewandert – zur Muttergottes.

Für mich wurde das Jahr 2000 zur radikalen Lebenswende. Meine Kinder waren erwachsen und meine Frau und ich kamen zum Entschluss, dass eine Trennung unumgänglich und für beide Teile die richtige Lösung ist. Nun erwachte in mir wieder die Sehnsucht nach einem klösterlichen Leben.

Seit Anfang 2003 lebe ich im Benediktinerstift St. Lambrecht in der Steiermark und bin als Regularoblate (früher: Laienbruder) in den Konvent eingetreten. Nachdem die Einsiedler in der benediktinischen Tradition oft von Bedeutung waren, war Abt Otto mit meinem Plan einverstanden, einen Teil des Jahres in der Einsiedelei auf dem Palfen zu leben.

Wenn ich nun als Benediktinermönch und als Saalfeldner Eremit lebe, so kann ich Gott nur danken, dass er mein Leben “zugelassen” hat, dass er mich gelehrt hat, seiner Führung zu vertrauen. Unser Leben ist eine durchgehende Pilgerreise auf das große, letzte Ziel zu. Es gibt Buß-, Bitt- und Dankwallfahrten. Nehmen wir alle drei Formen in unseren Alltag, ganz besonders letztere. Und vergessen wir nicht, dass zu jeder Pilgerreise das Innehalten gehört, das Ausruhen und das sich immer wieder neu Orientieren.

Gott möge immer unser Begleiter sein.”

2016 war Thomas Fieglmüller, Priester der Erzdiözese Wien und Psychotherapeut, Einsiedler am Palfen.

Im Herbst 2016 wurde die Stelle des Einsiedlers wieder ausgeschrieben, und diese Nachricht ging um die ganze Welt. Bewerbungen kamen sogar aus Argentinien, Kanada, Australien und Thailand. Seit April 2017 ist Stan Vanuytrecht unser Eremit. Er ist Flame, kommt also aus Belgien, war aber auch eine Zeit lang als Offizier in Deutschland stationiert, und kann daher fließend deutsch sprechen. Er ist pensionierter Vermessungstechniker und seit 2015 Diakon. Lange hat er als Sanitäter gearbeitet und sich zuletzt auch um Strafgefangene, Obdachlose, Drogenabhängige und Psychiatrie-Patienten gesorgt; daher ist er “geübter” Gesprächspartner in Krisensituationen. Sein offenes Ohr leiht er auch gerne den Besuchern. Er möchte ”zuhören ohne zu urteilen”. Am Dienstag, Freitag und Sonntag Vormittag macht er Besorgungen in der Stadt bzw. feiert den Gottesdienst mit; dann muss die Klausentüre geschlossen bleiben.

10 - Kopie  Stan Vanuytrecht (Foto H. Bayer)