Patrone: Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist

In Saalfelden ist bereits in prähistorischer Zeit eine Besiedelung nachzuweisen (Kupferbergbau). Nach den Kelten und Römern folgte nach der Völkerwanderung die letzte Siedlungswelle, nämlich die bajuwarische Landnahme. Und nach bajuwarischem Kirchenrecht hatte jeder Grundbesitzer das Recht, auf seinem Boden eine Kirche (damals: hölzerne Kapelle) zu bauen und einen ‚Pappo’ anzustellen.

Jahr 788

Die Pfarre Saalfelden zählt zu den ältesten Pfarreien des Erzbistums Salzburg. Die Kirchenpatrone belegen, dass von hier aus die umliegenden Gebiete missioniert wurden (Mutterpfarre)

Um 788 wird erstmals Saalfelden urkundlich erwähnt.

 

Jahr 1000
Um 1000 erfolgt die erste Erwähnung einer Kirche in Saalfelden –Dietmar , ein adeliger Mann aus Saalfelden, bietet seinen Grundbesitz und seine Kirche dem Erzbischof zum Tausch gegen ein Gotteshaus in Ampfing (Bayern) an. Anlässlich der Grabungen während der letzten Kirchenrenovierung kamen im Boden unserer Pfarrkirche die mächtigen Grundmauern eines mittelalterlichen Turmes zum Vorschein, der in ein Gotteshaus umgebaut worden war.

1188 wird erstmals ein Pfarrer (lat. „plebanus“) in Saalfelden genannt.

Jahr 1299 – 1642
Von 1299 – 1642 war Saalfelden Mensalgut der Bischöfe von Chiemsee. Die Einkünfte der Pfarre dienten für die Versorgung des bischöflichen Haushaltes. Als Suffraganbischöfe unterstanden die Bischöfe von Chiemsee dem Salzburger Erzbischof und wurden vor allem für Weihehandlungen eingesetzt.

Der Chiemseer Bischof Berthold Pürstinger resignierte nach den Bauernkriegen 1526 und zog sich nach Saalfelden zurück. In seinen berühmten Schriften (Onus ecclesiae, Tewtsche Theologey usw.) setzte er sich in der Zeit der Reformation für den katholischen Glauben ein. Außerdem begründete er in Saalfelden ein Priesterspital und förderte auch die Gründung der Vikariate Leogang, Dienten und Maria Alm.

In der zweiten Hälfte des 15. Jhs. wurde die Pfarrkirche in gotischem Stil erweitert. Damals dürfte auch die Krypta entstanden sein. Mit 54,5 m Länge ist sie seither die größte Kirche des Pinzgaues.
Seit dem 14. Jh. wurden der Kirche Altäre und Kapellen gestiftet. Die Anbauten an der Süd- bzw. Nordseite wurden später mit dem Hauptraum verbunden (Seitenschife!).

1473, 1485 und 1491 erhielt die Kirche reich dotierte Messstiftungen von den Herren von Ramseiden, von Hunt und von der Bürgerschaft. 1614 wurden in der Pfarrkirche 12 Altäre gezählt.
1618 wurde Saalfelden Dekanatssitz für den gesamten Pinzgau, erst später wurden die Dekanate Taxenbach und Stuhlfelden/Mittersill geschaffen.

1642 wurde die Pfarre im Tauschweg aus dem Bistum Chiemsee ausgegliedert und dem Salzburger Priesterhaus als Grundherrschaft unterstellt.

Jahr 1734
1734 schlug der Blitz in den Turm ein, die Kirche, der Pfarrhof und die östlich davon gelegenen Bürgerhäuser wurden ein Raub der Flammen. Daraufhin wurde die Kirche in barockem Stil ausgebaut. Den Innenraum versah Christoph Anton Mayr aus Schwaz 1755 mit Fresken – vgl. Maria Alm!

Jahr 1811
1811 wurde der gesamte Markt (108 Häuser) mit der Pfarrkirche und der Kirche zum Heiligen Geist ein Raub der Flammen. Im Zuge der Aufräumungsarbeiten brach das gesamte Gewölbe im Volksraum ein, nur das Gewölbe im Presbyterium blieb übrig.

Jahr 1813
1813 wurde das Langhaus abgetragen, neue Pfeiler wurden aufgesetzt und ein Schalgewölbe eingezogen. Der Turm erhielt die heutige Zeltdachpyramide.

Jahr 1858 – 1861
1858 – 1861 wurde die Kirche nach Plänen des Münchner Architekten Georg Schneider (1828 – 1897) zu einer neuromanischen Basilika umgestaltet.

Ab Jahr 1956
Ab 1956 erfolgte eine neuerliche Umgestaltung. Die neuromanische Einrichtung wurde entfernt, übrig blieben nur der Kreuzweg und das im südlichen Seitenschiff hängende Bild des Johannes des Täufers von Sebastian Stief, der Taufstein, die von Baptist Scheidl 1859 geschnitzten Figuren der Diözesanpatrone Rupert und Virgil (Langhaus – hinten) und die Statuen der Kirchenpatrone (Langhaus – vorne) von Joseph Haid (1833). Außerdem wurde eine Holztramdecke eingezogen. und das durch die Brände in starke Mitleidenschaft gezogene Turmmauerwerk mit Konglomeratplatten ummantelt.

Der Bildhauer Jakob Adlhart (Hallein, 1898 – 1964) schuf den überlebensgroßen Kruzifixus, die Figuren der Seitenaltäre (Maria bzw. Hl. Familie) sowie die Statuen an den Langhauspfeilern.

Die Kirchenfenster oberhalb der Seitenausgänge stammen von dem Tiroler Glasmaler Josef Widmoser (1911 – 1991). Sie zeigen im das Letzte Abendmahl (Nordseite) und die acht Seligpreisungen (Südseite).

Ab Jahr 2000
In der gelungenen letzten Renovierungsphase (2000 abgeschlossen) wurden neue Sitzbänke (Wangen nach dem Vorbild der alten) angeschafft, die obere Empore entfernt, die zuvor darauf befindliche historische Mauracher-Orgel restauriert und tiefer gesetzt, die farbigen Fenster im Mittelschiff durch einfache Glasfenster ersetzt und der Volksaltar auf eine neue tiefer gelegene Altarinsel gestellt.

In der Taufkapelle steht der einzige noch erhaltene spätgotische Flügelaltar (restauriert 2001 – 2003). Er ist aus mehreren, ursprünglich nicht zusammen gehörenden Teilen zusammen gesetzt. Die Reliefs der Flügel (um 1520) zeigen Szenen aus dem Marienleben).

Jahr 2006

Seit 2006 steht in unserer Pfarrkirche der aus dem Salzburger Dom stammende Volksaltar. Er ist mit Reliefschnitzereien von Jakob Adlhart versehen (Diözesanpatrone Rupert und Virgil mit Sbg. Dom, hl. Ehrentrudis, hl. Martin sowie Petrus und Paulus mit Petersdom).

Die gotische Krypta ist ein besonders intimer Gebetsraum. Hier ist noch der Grabstein des ersten Saalfeldner Dechants, Georg Tauscher (+1627), zu sehen. Von den ursprünglich zahlreichen Grabdenkmälern unserer Pfarrkirche sind nur noch einige wenige am nördlichen Zugang zur Kirche zu sehen.

Die von Xandi Schläffer gefertigte Weihnachtskrippe im rückwärtigen Teil des linken Seitenschiffes ist nur während der Weihnachtszeit zu sehen.

Das neue Chorgestühl der Pfarrkirche – Jahr 2011

Den Idealen der Urgemeinde in Jerusalem folgend (Apg 2,42), heiligt und strukturiert die Kirche den Alltag durch mehrmaliges Gebet („Stundengebet“). Die Priester tun das stellvertretend für ihre Gemeinden heute meist im Privaten mit dem so genannten Breviergebet. In Klostergemeinschaften und manchmal auch in städtischen
Pfarren geschieht dies in Form des gemeinschaftlichen Chorgebetes. Meist sind es heute vier Gebetszeiten,
die miteinander gehalten werden: die Laudes am Morgen, die Mittagshore, die Vesper am Abend und die Komplet vor der Nachtruhe. In den Kloster- und Stiftskirchen wurden zu diesem Zweck eigene Orte geschaffen, wo sich
das Chorgebet vollziehen kann. Entsprechend den einzelnen Elementen (Psalmengebet, Hymnen, Lesungen usw.) können die Mönche, Nonnen bzw. Priester in einer Bank stehen, sitzen und knien: im Chorgestühl.
Nach den Zerstörungen des II. Weltkrieges gestaltete für den Salzburger Dom der Halleiner Bildhauer Jakob Adlhart 1958/59 ein neues Chorgestühl, das 2005 verkleinert wurde. Daher wurden die Frontreliefs 2007 (wie schon
vorher der Volksaltar) der Pfarrkirche Saalfelden überlassen. Die Langhausfiguren, der Altar und die heuer in ein neues Chorgestühl eingefügten Reliefs bilden nun ein künstlerisches Ensemble aus der Hand Adlharts.

Den Relief-Darstellungen liegt der Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen (Dan 3, 57-90) zugrunde.
Drei der in Babylon gefangenen Juden (6. Jhdt. v. Chr.) wurden wegen ihres Festhaltens am Glauben
darin gefoltert, ohne Schaden zu nehmen. So stimmten sie einen Gesang an, der alle Welt mit ihren
Erscheinungen zum Lob Gottes auffordert.

Auf der rechten Seite sind daher in sechs Feldern zu sehen: die übersinnliche Welt der Engel, die durch
Gottes Schöpferhand gewordene Erde mit Wasserfirmament und Festland, weiters die Gestirne, die
Pflanzen, die Vögel, die Fische im Wasser und zuletzt die Landtiere. In dieser Abfolge klingt auch das
Sechstage-Werk Gottes entsprechend dem Schöpfungshymnus in Gen 1 an.

Die linke Seite zeigt das Lob Gottes durch die Menschheit – auch hier in einer geschichtlichen Abfolge:
Auf das erste Menschenpaar folgen die Vertreter des Alten Bundes und dann die drei aus dem Feuerofen
befreiten Jünglinge. An der Schnittstelle zum Neuen Testament steht Maria, das große Vorbild im Gebet,
mit dem Beginn des „Magnifikat“ aus ihrem Mund, das die Großtaten Gottes rühmt: „Meine Seele
preist die Größe des Herrn …“.

Die folgenden Reliefplatten zeigen uns die Apostel, sodann einen Papst und einen Bischof (gemeint
sind wohl Pius XII. und Erzbischof Rohracher) als Vertreter der kirchlichen Stände. Zuletzt ist die Kirche
in der Vollendung dargestellt, die Heiligen im Himmel: Rupert, Sebastian, Erentrudis, Notburga.
Die Engelschöre an beiden Fronten sollen die Welt anleiten, in das Lob Gottes einzustimmen.

H. B.

Glocken

Die Glocken wurden 1949 von der Firma Oberascher (Salzburg-Kasern) gegossen:
Heimkehrerglocke (A, 3475 kg),
Gefallenenglocke (C, 2077 kg),
Marienglocke (E, 1041 kg),
Messglocke (G, 618 kg)
und Sterbeglocke (a, 439 kg)