4. Woche – Versöhnen und vergeben


Gebet:
Ein Familienmitglied zündet das Teelicht an und stellt es zur vierten Woche.
Herr, unser Gott, du schenkst uns die Fastenzeit als eine Zeit der Versöhnung mit dir und den Menschen. Wir bitten dich: Hilf uns in der Unruhe des Alltags Zeiten der Versöhnung und der Vergebung zu finden. Amen.

Rückschau auf die vergangene Woche: Wie ist es uns ergangen mit unserem Rastplatz, mit der Stille und der Auszeit mit Gott?
Unsere Fußstapfen „wandern“ nun zur vierten Woche als ein Zeichen des Weitergehens und eines Neubeginns mit Gott.

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Punkt für Punkt Rätsel zum Ausdrucken

Lied:

Unser Leben sei ein Fest (M: P. Janssens, T: J. Metternich Team, Rose Kurt)
1. Unser Leben sei ein Fest, Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen, Jesu Geist in unseren Werken.
Refrain: Unser Leben sei ein Fest, an diesem Abend und jeden Tag.
2. Unser Leben sei ein Fest, Jesu Hand auf unserem Leben, Jesu Licht auf unseren Wegen, Jesu Wort als Quell unserer Freude.
Refrain: Unser Leben sei ein Fest, an diesem Abend und jeden Tag.
3. Unser Leben sei ein Fest, Jesu Kraft als Grund unsrer Hoffnung, Jesu Brot als Mahl der Gemeinschaft, Jesu Wein als Trank neuen Lebens.
Refrain: Unser Leben sei ein Fest an diesem Abend und jeden Tag.

Gespräch: Steine und ein Kaktus werden aus dem Rucksack ausgepackt und zur Woche auf unserem Fastenweg gelegt. Sie haben Namen: geärgert, ausgelacht, nicht wahrgenommen … (Steine können auch mit Filzstifte beschriftet werden) Steine, die geworfen werden, sind schmerzhaft. Der Kaktus signalisiert: Komm mir nicht zu nahe, ich möchte (jetzt) nichts mit dir zu tun haben! Geschichten, die auch in der Familie immer wieder passieren.

Aktivitäten
Aus der Bibel – Lukas 15 „Der verlorene Sohn“
Das Gleichnis erzählt von zwei Brüdern, die unterschiedliche Wege gehen. – Geschichte in der Kinderbibel lesen, bis der jüngere Bruder wieder zurückkommt. – Man sollte meinen, dass wieder alles in Ordnung kommt, aber was passiert? – Weiterlesen, bis der ältere Bruder das Fest verlässt. – Wir schlüpfen in die Rolle des älteren Bruders, erzählen die Geschichte aus seiner Sicht: Ich hab einen jüngeren Bruder, der … Anschließend stellen wir ihm Fragen: Was ärgert dich am meisten? Was würdest du brauchen? Warum gehst du nicht zum Fest?

Jesus erzählte einmal eine Geschichte:
Es war einmal ein Mann, der hatte zwei Söhne. Einen Jüngeren, bei dem war immer was los. Und einen Älteren, etwas ruhigeren, der sagte nie viel. Der Jüngere sagt klar, waser dachte:
”Ach das Leben hier auf dem Land ist mir viel zu langweilig. Die Arbeit auf dem Bauernhof ist mir viel zu eintönig. Immer nur in den Stall und auf das Feld. Auf das
Feld und in den Stall. Ach ist das öde!“ Und eines Tages beschloss er:
”Ich will weg von hier! Irgendwohin, wo mehr los ist! Hm, aber wie soll ich das alles bezahlen, wovon soll ich leben? – Mein Vater soll mir mein Erbe auszahlen!“
Normaler Weise wurde das Erbe ausgeteilt, nachdem jemand gestorben war. Und wisst Ihr, wie es dem Vater gegangen ist, als der Sohn am nächsten Tag nach dem Frühstück ankam und sagte:
”Vater, gib mir das Erbteil, das mir ohnehin bald gehört!“
”Ja bin ich denn für meinen Sohn schon gestorben? Hält er mich für tot, dass er sein Erbe jetzt einfordert?“ Es war wie ein Schlag in sein altes Gesicht. Aber er liebte seinen Sohn von ganzem Herzen und so machte er sich an die Arbeit und teilte seinen eigenen Hof in drei Teile. Zwei Teile für den Älteren Sohn, weil er der Erstgeborene war und einen Teil für den Jüngeren – so war es üblich damals.
Und es dauerte nicht lange, da sammelte der Jüngere alles zusammen, was ihm gehörte. Kleider und Schuhe (nur Sklaven gingen Barfuß) und den Siegelring, mit dem er das Familiensiegel in Siegelwachs stempeln konnte, wenn er einen Vertrag unterschreiben wollte. Aber Möbel und Tiere und die Felder, die ihm jetzt gehörten, konnte er nicht mitnehmen. Und so verkaufte er sie einfach. Das schmerzte den Vater noch mehr:
”Die guten Stücke und die Felder, auf denen ich mein ganzes Leben gearbeitet habe – einfach weg. Andere arbeiteten jetzt darauf und ich habe kein Recht mehr. Das tut weh!“ Aber der Sohn hatte eine ganze Reihe Goldstücke dafür bekommen. Er war jetzt reich. Und so machte er sich auf die Reise. Traurig blieb der Vater zurück. Der Sohn kam in ein fernes Land. Lauter fremde Menschen. Sie trugen andere Kleider und bauten ihre Häuser anders. Das war interessant. Endlich was los. In einer Stadt machte er erst mal Pause vor dem teuersten Hotel.
”Das sieht aber toll aus, nicht so einfach wie zuhause. Da geh ich doch gleich rein. Mal sehen, was es da so alles gibt!“ Alles war sehr edel und teuer!
”Ah, das passt gut zu mir, dachte der Sohn, ich bin jetzt doch reich!“
”Herr, ich hätte gerne ein Zimmer!“ (spielt mit Gold)
Und als der Hotelbesitzer die Goldstücke sah, bekam der Sohn gleich das beste Zimmer im ganzen Haus und sein Gepäck und sein Reittier wurden auch gleich versorgt. Es war herrlich als er am nächsten Morgen aufwachte, so ein weiches Bett.
”Ist das gut, dass ich weg bin von zuhause! Endlich bin ich mein eigener Herr. Und es läuft ja nicht schlecht! Ich wette mein Vater hat nie so fein geschlafen, wie ich heut Nacht!“ Er zog sich sein bestes Gewand an und ging in die Stadt. Er lernte bald viele Leute kennen. Und weil er gerne Feste feierte und Menschen einlud, hatte er um Hand umdrehen viele Freunde! Die halfen ihm und gaben gute Tipps, wie man tolle Feste feiern konnte! Immer wieder hieß es dann im Hotel:
”Herr, wir feiern heute Abend ein Fest. Besorge doch die nötigen Dinge.“ (Geld an Kinder verteilen.)
Das war ein tolles Leben! So sorgenfrei und so viele nette Menschen. Nur der Beutel
wurde leichter und leichter. Nach einigen Wochen kam der Hotelbesitzer:
”Herr, hier ist die Rechnung für Ihr Zimmer, in dem Sie schon eine ganze Weile wohnen.“ Ein Griff in den Geldbeutel – Oh Schreck! Der ist leer! ”Herr, ich habe kein Geld mehr! Was, wir haben hier einen Betrüger? In meinem Haus?“
”Nein, ich bin kein Betrüger! Ich bring Ihnen das Geld, ich habe doch viele Freunde!“
”Freunde, ach was Freunde! Ich will mein Geld auf der Stelle! Weißt Du was, wenn Du nicht bezahlen kannst, fliegst Du raus – und zwar auf der Stelle!
Und Dein schönes Gewand, Deinen schönen Ring und Dein restliches Gepäck behalte ich als Bezahlung. Los her damit, oder Du kommst in den Knast, ins Gefängnis. Und jetzt lass Dich hier nie wieder blicken! Sonst zeig ich dir wie man in unserem Land mit Betrügern umgeht. Hau ab!“
”Na warte, dachte der jetzt arme Sohn, meine Freunde werden mir schon helfen!“ Er klopfte am Haus eines Freundes: Als der ihn so ohne Geld sieht:
”Wer bist Du. Ich kenne Dich nicht! Was, Geld? Ein Bettler! Geh mir aus den Augen, oder es setzt was!“
”Aber, Du hast doch gestern noch an meiner Seite gegessen und getrunken! Wir waren doch friends for ever!“
”So eine dreckige Lüge, mach bloß, dass Du weg kommst! Oder es setzt was!“
Am Abend kam sich der Sohn ganz verloren vor. Bei jedem Haus, an dem er klopfte, erging es ihm ähnlich. Jetzt erst bemerkte er, dass in dem Land auch noch eine Hungersnot ausgebrochen war. Niemand hatte etwas übrig für einen Bettler.
Diese Nacht schlief er auf dem harten Boden vor der Stadt und der Magen hing ihm in den Knien.
”Wow, ich wette, mein Vater hat noch nie so schlecht geschlafen wie ich heute
Nacht! Daheim hatte ich es gut. Jeden Morgen Frühstück! Aber heim kann ich nicht mehr, nach allem, was ich meinem Vater angetan habe.“ Also gab’s nur eines: Arbeit suchen.
”Was ein Ausländer!“ hieß es wo er hin kam. Aber er wollte doch nur, Arbeit, um essen zu können. Ein Bauer gab ihm Arbeit für ein wenig zu essen.
”Was muss ich tun?“
”Schweine hüten!“
So richtig satt wurde er nie – aber er lebte.
”Hoffentlich kriegt das nie jemand von zuhause mit. Zuhause haben wir keine Schweine. (Sie sind unrein. Gott hatte verboten Schweinefleisch zu essen. Und wer ein Schwein nur berührte wird auch unrein. D.h. er musste sich gehörig waschen und sieben Tage von anderen Menschen weg bleiben. Keiner würde auch nur ein Wort mit mir reden, wenn er wüsste dass er ein Schwein berührt hatte. Und jetzt noch Schweine hüten.) Das ist zuhause das allerletzte. Aber was soll ich machen. Bei meinem Vater kann ich mich nicht mehr blicken lassen.“ So ging es eine Weile, aber der Hunger wurde immer stärker:
”Die Schweine haben’s gut! Die dürfen sich wenigstens richtig satt fressen! Aber ich! Mein Bauch tut richtig weh. Lang halte ich das nicht mehr aus!“
Am nächsten Tag war der Sohn so hungrig, dass er richtig Lust auf das Schweinefutter bekam.
”Hey, der sieht ja eigentlich gar nicht so schlecht aus, dieser Schweinefraß.“ Es machte ihm nichts aus, dass die Schweine mit ihren dreckigen Klauen schon im Trog gestanden und mit ihren sapprigen Rüsseln schon dort gefressen hatten.
Er hatte sooooooo hunger. Also ging er zum Trog. Er nahm die Hand und wie er den
Brei des Schweinefutters in der Hand hatte, hörte er eine Stimme:
”Hey Du undankbarer Knecht. Pfoten weg von dem Schweinefutter! Das ist für die Schweine, die sind mehr wert als Du! Wenn ich dich noch einmal erwische, dann wirst Du was erleben!“ Das tat weh!
”Diese dreckigen Schweine sind besser angesehen als ich!
”So weit war er herunter gekommen.
”Was soll das hier noch alles? Das hat keine Zukunft! Ich muss weg. Zuhause hätte einem unserer Arbeiter nie so der Magen geknurrt! Nein! Vater ist viel zu gut, als dass da jemand hungern müsste!“
”Ich gehe heim und bewerbe mich als Arbeiter bei meinem Vater: Ich sage:
”Vater, ich bin es echt nicht mehr wert, Dein Sohn zu sein, nach all dem!“
Er musste weinen. Soviel war verloren gegangen. Er war so einsam. Und noch ehe es Abend wurde, machte er sich auf den Weg. Je weiter er kam, desto größer wurde sein schlechtes Gewissen:
”Was wird bloß mein Vater sagen?“
”Vielleicht wirft er mich im hohen Bogen von unserem, nein von seinem Hof? Vielleicht redet er gar nicht mehr mit mir?“
Als er nach einigen Tagen in sein Land kam, machten alle einen riesen Bogen um ihn. Er stank nach Schweine – aber wie die Sau.
” Keiner will, was mit mir zu tun haben! Ein Schweinehirte!“
Und so wanderte er weiter und weiter. Er war tief in Gedanken versunken. Und der Hunger war schon so groß, dass er seinen Magen überhaupt nicht mehr spürte. Sein Bauch war ganz taub.
”Nur noch eine Kurve, dann wird der Hof in Sicht sein.“ Jetzt stockte er!
”Soll ich wirklich, oder soll ich umdrehen und nie wieder herkommen?“ Was meint ihr? Irgendwie hatte er Sehnsucht nach seinem Vater. Und so ging er mutig weiter. Jetzt konnte man gleich die Scheune sehen und den Stall und . . .
Ja was war das? Er traute seinen Augen nicht. Da kam jemand gerannt.
”Aber das ist doch. . . , aber das ist doch mein Vater. Ja aber, der ist ja noch in seinem ganzen Leben nicht so gerannt!“ Er rannte so gut ihn seine alten Beine eben noch tragen konnten. Jetzt musste der Sohn auch rennen. Und beide vielen sich in die Arme und weinten.
”Vater, ich bin es nicht mehr wert, Dein Sohn zu sein. Ich bin weggelaufen und habe alles verloren. Aber lass mich doch für dich arbeiten. Wie die anderen Arbeiter auch, dass ich nicht verhungern muss.“
Aber der Vater tat etwas ganz anderes! Er rief seine Knechte:
”Hey, bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an!
Und gebt ihm einen Siegelring an seine Hand! Und Schuhe an seine Füße! Und bringt das gemästete Kalb und schlachtet es. Wir machen ein riesen Fest! Ladet alle ein! Lasst uns essen und fröhlich sein! Denn mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden. Er war verloren und ist gefunden worden.“
Und sie hatten ein riesen Fest!
Der Vater hatte ja so lange auf seinen verlorenen Sohn gewartet.

Da schaute Jesus auf und schaute jeden in der Menge an – und alle wussten: So empfängt Gott auch mich mit offenen Armen. Dann erzählte Jesus die Geschichte weiter:

Draußen ist der erbberechtigte ältere Bruder, wie immer auf dem Feld. Er kommt von der Arbeit auf das Elternhaus zu, verlangsamt seinen Schritt und hört schon die Musik vom weiten. Daraufhin fragt er einen Angestellten was der Anlass dafür sei. Und wie er ihn hört, läuft er nicht schnell und schneller, sondern versteift sich in der Wut, und zwar nicht gegen seinen Bruder, sondern gegen seinen Vater. Noch einmal geht der Vater weg von der Schwelle des Hofes, dem Erstgeborenen entgegen.
Doch jetzt gibt es keine Umarmung, da gibt es knallharte Konfrontation: „Ich habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir noch nicht mal einen zweitklassigen Ziegenbock für einen Grillabend übrig gelassen. Aber klar, der, der Champagner und tolle Feste gewöhnt war, der muss ja jetzt auch noch ein fehlerloses Kalb bekommen. Ich hole aber nicht das Tafelsilber, Schluss mit Dir, du Beziehungsgruftie!“
Das schockt den Vater, er kann nur noch versuchen, alles zu versachlichen: „Mein Sohn, was meins ist, ist auch deins.“
Das durchschaut der ältere Bruder natürlich, dass diese Regel jetzt gelten soll, aber sie galt nicht, als der junge Schnösel die halbe Erbschaft wollte.
Der Vater fleht ihn an: „ Der war doch tot, jetzt lebt er wieder, und schau mich an: Ich war wie der verloren – und ich und er – wir haben alles wieder gefunden! Und jetzt komm!“ Nein, sagt und denkt sich der ältere Bruder: Ich stelle mich jetzt auch mal tot.
Feiert weiter, feiert alle weiter.
(http://www.allesumdiekinderkirche.de/textsuche/lk15_11ff.pdf,http://www.kircheneukirchen.de/Predigt_Die_Geschichte_vom_verlorenen_Sohn_oder_die_ngleichen_Kinder_Lukas_15_am_10.4.2005_Johanniskirche-Manfred_Mielke.pdf)

Punkt-für-Punkt-Rätsel: Hinter dem bei Kindern so beliebten Punkt-für-Punkt-Rätsel (siehe PDF-Vorlage) verbirgt sich ein Symbol der Versöhnung.
Steine zum Blühen bringen: Gott lädt uns immer wieder ein zum Fest. Wer mit sich, den anderen und Gott im Reinen ist, dem ist nach Feiern zumute. Während der Fastenzeit gehen Menschen zum Sakrament der Versöhnung (Beichte) oder zum Versöhnungsgottesdienst, um ins Reine zu kommen und für das Osterfest bereit zu werden. Jeder wählt einen Stein, seinen „Stein des Anstoßes“. Wer mit sich und dem anderen ins Reine gekommen ist, legt eine Blüte (siehe unten oder schon Blüten aus der Natur – in ein Wasserschälchen geben) zu seinem Stein.
Fest der Versöhnung: Sind alle Steine erblüht, wird ein kleines Fest gefeiert. Jeder versucht etwas zu diesem Fest beizutragen, z. B. ein Lied, ein Gebet, einen Kuchen etc.

Abschluss: Vater unser und Kreuzzeichen.
(aus: Zeitschrift Stadt Gottes März 2012, Seite 38 u. 39)