9. Interkulturelles Frauenfrühstück – Frauen im Gespräch

Ein Team der Katholischen Frauenbewegung Saalfelden lud im Herbst zum 9. interkulturellen Frauenfrühstück ein, einem gemütlichen Zusammentreffen im Pfarrsaal. Einheimische und  zugereiste Frauen können hier einander kennen lernen, sich austauschen, fremde Kulturen besser verstehen lernen und sich einfach Zeit für sich schenken. Das Interkulturelle Frauenstück in Saalfelden ist zu einem festen Bestandteil im Pfarrleben geworden.

Bei jedem Treffen gibt es einen neuen Themenschwerpunkt. Das Thema des letzten Treffens, „Abschiedsrituale in verschiedenen Kulturen“ fand reges Interesse. 25 Frauen. aus 7 verschiedenen Herkunftsländern tauschten sich über die unterschiedlichen Traditionen und Rituale rund um das Sterben und den Tod aus.

Frauen aus der Türkei erzählten, dass bei islamischen Familien die/der Tote so schnell wie möglich beerdigt werden soll. In Österreich gibt es nur wenige islamische Friedhöfe. Die Toten werden deswegen zum größten Teil in ihre Heimat zurückgeführt und dort bestattet. Als Totenritual zählt das Waschen des Leichnams, welches  von einer/m dazu ausgebildeten bzw. bestimmten Frau oder Mann erfolgt. Der Leichnam wird in ein nahtloses Leichentuch gewickelt, bei welchem nur der Kopf ausgeschnitten ist. Das Lesen des Korans über 7Tage zählt zu einem festen Trauerritual. Frauen und Männer lesen in getrennten Räumen. Das Weinen geht ruhig von statten. Nach diesen Trauertagen gibt es eine Verabschiedung im Großen, mit Familie und Freunden. Es gibt keine Familiengräber. Jede/r erhält sein eigenes Grab. Die Bestattung findet jedoch ohne Sarg statt. Der Leichnam wird auf die rechte Seite gedreht, um so auf die „andere Seite des Lebens“ sehen zu können. Er wird mit Brettern schräg abgedeckt, um nicht direkt mit Erde in Berührung zu kommen. Das Verbrennen der Toten ist im Islam verboten.

Eine Frau aus Togo erzählte, dass die Zeit bis zum Begräbnis von Gebet, Gesang und Spiel begleitet ist. Lauter Trommelschlag soll z. B. Tiere davon abhalten, sich den Leichnam zu holen. In jedem Dorf gibt es eigene „Totenchefs“, welche die Rituale ausführen. Die Traditionen, dem Wudo zugehörig, werden stets weitergegeben. Der Wudo wird angerufen und gefragt, warum jemand gestorben ist, ob es ein guter oder ein schlechter Mensch war, und darum gestorben ist. Der Leichnam wird mit heißem Wasser gewaschen, um den Toten von Allem zu reinigen und kommt dann in einen Sarkophag aus Holz. Die Ausstattung des Sarges richtet sich nach dem Vermögen der Familien, je reicher, desto pompöser. Reiche leisten sich auch betonierte Gräber. Arme werden einfach in ein Erdloch bestattet. Da es eine Grabpflege mit Grabsteinen wie bei uns nicht gibt, stellt sich die Nachforschung nach Verstorbenen oft als schwierig heraus. Es gibt eigene Friedhöfe für gute und schlechte Menschen. Kommt es nach der Bestattung zu Unruhen im Dorf oder zeigen Angehörige Auffälligkeiten, werden diese dem Geist der/des Verstorbenen zugeschrieben. Die/der Tote wird dann wieder ausgegraben und an einer anderen Stelle neu begraben, um dort zur Ruhe kommen zu können. Alle Verwandten sind dazu angehalten, zum Begräbnis bzw. danach der Familie etwas zu geben, Stoff, Geld oder andere Gaben, die Höhe richtet sich nach den jeweiligen Möglichkeiten. Wenn aus Togo Stammende hier in Österreich sterben, werden ihnen Fingernägel, Haare und Zehennägel abgenommen und in einem Behältnis in die Heimat geschickt, um dort vergraben zu werden. Diese Körperteile gelten als unvergänglich. Bei kleinen Kindern ist dies nicht erlaubt. Die Trauerzeit von verheirateten Frauen wird im Vorhinein von ihren Männern bestimmt. Dies kann eine Zeitspanne von 1Monat, 3 Monaten oder 1 Jahr sein. In dieser Zeit dürfen sich die Trauernden ihre Haare nicht schneiden und leben zurückgezogen. Nach der Trauerzeit gibt es eine Zeremonie, um wieder „ins Leben zurückzukehren“. Die Heirat des Bruders des Verstorbenen ist oft üblich. Auch in der Tradition Togo´s ist das Verbrennen nicht erlaubt.

 

In der kurdischen Tradition in Armenien gibt es einen „Schaich“, der für einen ordnungsgemäßen Verlauf der Toten- und Trauerrituale sorgt. Der Leichnam wird von der Familie gewaschen und festlich gekleidet. Die/der Verstorbene liegt zu Hause im offenen Sarg, welcher auf einem Tisch aufgebahrt ist. Lautes Klagen und Weinen gehören zum Trauerritual. Als Trauerfarbe gilt Schwarz. Die Bestattung erfolgt im engsten Familienkreis außerhalb des Dorfes/der Stadt in eigenen Familienfriedhöfen. Der Sarg wird mit Erde bedeckt. Der Schaich hält eine Totenrede. Ihm wird zum Abschied die Hand geküsst. Söhne und Männer tragen einen 40Tagebart, als Zeichen, dass die Seele Zeit braucht zu gehen. In dieser offiziellen Trauerzeit gibt es keine Musik, kein Radio, keine gute Laune. Danach findet ein großes Fest mit vielen Gästen bei Speis und Trank statt. Männer und Frauen feiern getrennt.

 Kamla aus Indien berichtete von Ritualen ihrer Heimat. Auch dort wird der Leichnam gewaschen, gesalbt und in weiße, schmucklose Tücher gewickelt und aufgebahrt. Der Trauer wird lautstark Ausdruck verliehen, lautes Klagen und Weinen, gegenseitiges Zerren an den Haaren gehören dazu. Frauen und Männer trauern getrennt. Der Glaube an die Wiedergeburt spielt auch in den Ritualen eine Rolle. Die Verdienst der/des Verstorbenen beeinflussen das weitere Leben, auch der Priester versucht durch das Zusprechen von Mantren Einfluss auf die Wiedergeburt zu nehmen. Damit das Atman, das Selbst, nicht am Körper des Verstorbenen hängen bleibt, muss dieser vollständig verbrannt werden. Dafür sind eigene Plätze, meist an Flüssen, vorgesehen. Heute sind auch Einäscherungen in Krematorien üblich.  Die Asche wird in einem fließenden Gewässer beigesetzt, oft zusammen mit Blumen. Der wichtigste Fluss für eine Bestattung ist der Ganges, da er als Heiliger Fluss verehrt wird. Da die Angehörigen nach der Bestattung als unrein gelten, waschen und duschen sie sich nach der Zeremonie, sie sind eine Zeit auch von Tätigkeiten, wie dem Besuch des Tempels ausgenommen. Nachbarn bringen den Hinterbliebenen Speisen, damit ihnen das Trauern erleichtert wird. Ab 16 Jahre dürfen Kinder verbrannt werden. 

Eine Frau aus den Niederlanden erzählte, dass bei Ihnen das Thema Sterben und Tod eher abgeschoben wird und es wenig lebendige Rituale dazu gibt.

Bei uns im Pinzgau erhält die/der Sterbende vor dem Ableben das Sterbesakrament, sofern es zeitlich noch möglich ist. Nach dem Feststellen des Todes durch einen Arzt unterstützt ein Bestatter die Organisationsabläufe. Nach der Vorbereitung des Leichnams, dem Waschen, dem Kleiden mit Lieblingsstücken der/des Verstorbenen oder Festkleidung und das Einbetten in einen Sarg (manchmal mit der Beigabe von Gegenständen, von denen die Angehörigen meinen, dass sie der/dem Verstorbenen wichtig waren), wird dieser in der Aufbahrungshalle beim Friedhof aufgebahrt. Als Zeichen der Anteilnahme werden von den Trauernden Blumenkränze, Gestecke und Kerzen gebracht. Die Hinterbliebenen, Freunde und Bekannten der/des Toten nehmen in eigenen Betzeiten, bei denen der Rosenkranz oder andere Texte gebetet werden, persönlich Abschied. Nur noch selten kommt es zu Aufbahrungen zu Hause. Das Begräbnisritual wird auf lokal unterschiedliche Arten durchgeführt, beinhaltet aber immer Eröffnung, Wortgottesdienst oder Eucharistiefeier und Beisetzung bzw. Verabschiedung. Die Gestaltung entspricht meist dem Naturell der/des Verstorbenen. Manche bereiten ihren Auferstehungsgottesdienst sogar selber vor. Beim Gottesdienst wird dem Leben, dem Wirken und des Seins der/des Verstorbenen besonders Ausdruck gegeben. Am Grab wird nach dem Abschiedsgebet des Priesters der Sarg mit Weihwasser bespritzt und mancherorts wirft die Trauergemeinde etwas Erde ins Grab. Alle Begräbnisbesucher erhalten ein Sterbebild als Erinnerung. Im Anschluss an die Beerdigungsfeier wird vor allem in ländlichen Gegenden von den Hinterbliebenen zum Leichenschmaus geladen, welcher meist eine Leichtigkeit mit sich bringt und auch Lachen seinen Platz findet. Am 1. und 2. November beten die Gläubigen auf besondere Weise um das Heil ihrer Verstorbenen. Das Schmücken der Gräber, das Entzünden von Kerzen, das Zusammenkommen am Friedhof und in den Familien hat hier Tradition.

 Die Zeit wurde uns fast zu kurz. Es war für uns alle spannend, von den unterschiedlichen Traditionen direkt von den Frauen aus verschiedenen Ländern zu hören. Ja durch´s Reden kommen die Leut z’amm. So freuen wir uns auf neue Zusammentreffen mit bereits „geborenen“ Themen: Am 19. Jänner werden wir uns über Rituale rund um die Geburt austauschen und im Herbst über die Rolle der Frau in verschiedenen Religionen.

 Danke an alle, die vorbereitet haben und etwas für den kulinarischen Genuss beigetragen haben. Danke an alle Frauen, die uns Einblick in ihre Lebenswelt gegeben haben.

 Roswitha Hörl-Gaßner, Leiterin der kfb-Saalfelden.