Wer war der heilige Nikolaus?

  • Nikolaus wurde als Sohn der wohlhabenden und „heiligen“ Eltern Epiphanius und und Johanna in der Stadt Patera (Türkei) geboren.
  • Als junger Mensch mied er oft die Gesellschaft anderer Altersgenossen, und besuchte häufig Kirchen, „Was er von den heiligen Schriften verstand, behielt er im Herzen.“
  • Als seine Eltern gestorben waren, überlegte Nikolaus, wie er das Vermögen, das er geerbt hatte, zu Gottes Freude ausgeben könnte.
  • Einem verarmten Edelmann half Nikolaus in großer Not, als dieser seine drei Töchter verheiraten wollte, indem er in der Nacht heimlich drei Goldklumpen auf das Fensterbrett legte.
  • Als der Bischof von Myra gestorben war, beteten die Priester und Bischöfe um einen würdigen Nachfolger. Da gab Gott einem von ihnen den Gedanken: „Erwähle den Mann zum Bischof, der am Morgen als Erster die Kirche betritt.“ So wurde Nikolaus Bischof.
  • Drei Schiffe kamen  einmal in Seenot, Bischof Nikolaus bat Gott um Hilfe, und die Schiffe wurden wohlbehalten in den Hafen getrieben.
  • In einem Jahr der Dürre wurden die Bewohner von Myra auf die Fürbitte ihres Bischofs vom Hungertod errettet.
  • Eine Frau lebte am Rande der Stadt. Sie war als „schlechter Mensch“ verrufen und wurde von allen gemieden. Nikolaus wollte vorbeigehen, doch dann besann er sich und ließ seinen Esel bei der Frau, damit diese Milch für sich und ihr kleines Kind hatte
  • Im Jahr 343 verstarb Nikolaus und wurde in Myra begraben.

 Wenn ein heiliger Nikolaus in die Familien kommt

Der heilige Nikolaus ist eine der beliebtesten Heiligengestalten. Seine Person wurde schon bald mit verschiedenen Legenden umgeben. Sie zeichnen ein Bild eines Menschen, der auf Seiten der Armen, Notleidenden und Entrechteten steht und besonders als Freund und Schutzpatron der Kinder auftritt.

Leider sind im Umfeld des Brauchtums um diesen Heiligen immer wieder Gewalttätigkeiten und Unfug zu beobachten (durch den Begleiter „Krampus“), oft drohen Eltern – wenn auch „nur“ zum Scherz – ihren Kindern mit dem Krampus oder sogar mit dem Nikolaus („der alles weiß“), um vielleicht mit der Angst der Kinder ihren Erziehungsmaßnahmen mehr Nachdruck zu verleihen.

Sollten Sie den heiligen Nikolaus darstellen, dann beachten Sie dabei bitte folgende Aspekte:

Der heilige Nikolaus war kein strenger, sondern ein gütiger und liebevoller Mensch.
Bemühen Sie sich, das durch Ihr Auftreten und Ihr Zugehen auf die Kinder zu vermitteln, und tun Sie alles, um den Kindern die Angst zu nehmen, die ihnen  vielleicht die Eltern eingeredet haben oder Sie allein durch Ihre ungewohnte Kleidung bewirken:

  • geben Sie den Kindern die Hand
  • lassen Sie die Kinder den Stab halten
  • erlauben Sie die Kinder Sie zu berühren
  • ziehen Sie sich erst vor den Kindern um (oft wird behauptet, dann sei der ganze „Zauber“ weg; verschiedenste Berichte aus Kindergärten können dies widerlegen, denn sobald Sie in die Kleider geschlüpft sind, sind Sie nicht mehr der Nachbar von nebenan sind, sondern der heilige Nikolaus, von dem so viel erzählt wird, dessen Name in aller Munde ist)
  • loben und ermutigen Sie die Kinder
  • lassen Sie sich als Nikolaus nicht zum „Moralapostel“ und „Bösewicht in schönen Gewändern“ degradieren!
  • vermeiden Sie aus dem goldenen Buch – falls Sie eines benützen möchten – eine Litanei von Taten vorzutragen, wodurch Sie nicht anderes bewirken, als Kinder bloß zu stellen
  • achten Sie darauf, dass Ihre Begegnung mit den Kindern von den Grundprinzipien des Lobens, Ermutigens und Wertschätzens geleitet wird.
  • der heilige Nikolaus steht in der Tradition der Frohbotschaft Christi, die den Menschen ihre Angst nehmen will. Bemühen Sie sich bitte, das den Kindern gegenüber spür- und erlebbar werden zu lassen

Geschichten vom heiligen Nikolaus

Die Bischofswahl

In der Stadt Myra war der alte Bischof gestorben. Man suchte einen Nachfolger. Die Nachbarbischöfe kamen zusammen, um über einen Kandidaten zu beraten. Man redete hin und her, ohne zu einem Ergebnis zu kommen.

In der allgemeinen Unsicherheit und Aufregung schlug einer der Bischöfe vor, die Sitzung zu unterbrechen und – vor jeder weiteren Beratung – um einen guten Bischof zu beten.

Man befolgte diesen Vorschlag und beschloss den Tag mit dem Gesang der Vesper (das ist das Abendgebet der Priester, Mönchen und Klosterschwestern).

In der folgenden Nacht hörte einer der Bischöfe eine Stimme, die ihn aufforderte: „Geh vor Tagesanbruch in die Kirche und stell dich an die Tür im Vorraum. Wer dann am Morgen als erster die Kirche betritt, den halte fest. Sein Name ist Nikolaus (d.h. der Sieg des Volkes Gottes). Weiht ihn zum Bischof für Myra.“

In der nächsten Versammlung teilte er den anderen mit, was er im Traum gehört hatte und alle waren einverstanden, der Stimme zu folgen.

Dieser Bischof führte selbst den Auftrag aus. Während die anderen in der Kirche beteten, wartete er an der Kirchentür. Im Morgengrauen kam ein Mann, um zu beten. Der Bischof begrüßte ihn und fragte nach seinem Namen. Etwas verlegen sagte er, er sei Nikolaus, ein Bürger von Myra. „Komm mit mir“, sagte der Bischof, „ich habe dir etwas zu zeigen.“ Und er führte ihn zu der wartenden Versammlung der Bischöfe und Priester, die ihn sogleich voller Freude als neuen Bischof von Myra begrüßten. Zur Gottesdienstzeit stellten sie Nikolaus in der Kirche dem ganzen Volk vor und berichteten, was geschehen war. Die Versammelten staunten und freuten sich über diese Wahl. Viele kannten den gutherzigen Nikolaus bereits. Sie ließen ihn erfreut den Bischofsstuhl einnehmen und bald sagte man: „Er trägt seinen Namen zu recht.“

Nikolaus hilft in der Hungersnot

Als Nikolaus Bischof in der Stadt Myra war, herrschte eine lange Trockenheit und eine furchtbare Hungersnot peinigte das Land. Die Menschen waren alle schon sehr krank, schwach und verzagt. Da legte eines Tages ein großes Schiff im Hafen an. Es hatte bis zum Rand Weizen geladen. Der Weizen aber war für den Kaiser in Rom  bestimmt.

Nikolaus ist zum Hafen gerannt und hat den Kapitän gebeten, ihm hundert Säcke Getreide für die hungernden Menschen in seiner Stadt zu geben. Sie sollten aus dem Korn Brot backen und auch das Korn säen, damit neuer Weizen wachsen konnte.

Aber der Kapitän sagte NEIN. „Das Korn ist genau gemessen worden“, erklärte er. „Es ist für den Kaiser – wenn etwas fehlt, dann bin ich schuld!“

Da hat ihm Nikolaus geantwortet: „Seid ohne Sorge und gebt mir hundert Sack Weizen. Ich verspreche euch, das euch nichts fehlen wird.“ Zum Beweis malte Bischof Nikolaus einen Kreidestrich auf das Schiff, der anzeigte, wie tief es im Wasser war.

Der Kapitän ließ sich erweichen und befahl seinen Matrose, hundert Sack Korn für den Bischof abzufüllen. Doch das Schiff wurde und wurde nicht leichte, so viele Säcke die Matrosen auch abgeladen haben!

Dann segelte das Schiff weiter und als es in Rom angelegt hatte, haben die kaiserlichen Aufseher das Getreide abgewogen und gemessen. Und siehe da: es hat kein Korn gefehlt!

Der Kapitän des Schiffes wunderte sich aber sehr und erzählte jedem von seinem Erlebnis mit Bischof Nikolaus.

Die Geschichte vom vergoldeten Apfel

In Myra lebte ein frommer, rechtschaffener Mann mit seinen drei Töchtern. Er war Witwer und schwer krank. So konnte er bei seiner Schwäche keiner Arbeit mehr nachgehen. Er schämte sich dafür und versuchte es vor den Menschen geheim zu halten. Der Vater und seine Kinder litten Hunger. Er wussten sich keinen Rat. In seiner großen Verzweiflung und Not dachte der Vater darüber nach, seine älteste Tochter zu verkaufen. Damals konnten nämlich noch Menschen verkauft werden.

Vielleicht kannst du dir vorstellen, was das für eine schreckliche Entscheidung für den Vater gewesen sein muss, eines seiner geliebten Kinder hergeben zu müssen und nicht zu wissen, ob er es jemals wiedersehen wird und ob es dem Mädchen wohl gut ergeht…

Diese Familie war auch dem Nikolaus bekannt, und so blieb es dem Bischof nicht verborgen in welcher aussichtslosen Lage sich die Familie befand.

Nun kam es, dass Nikolaus von dem verzweifelten Vorhaben des Vaters erfuhr.  Bischof Nikolaus besaß ein kostbares Schmuckstück: einen wertvollen vergoldeten Apfel, der mit Edelsteinen besetzt war. Er hatte ihn einmal vom Kaiser geschenkt bekommen. Diesen Apfel nahm er, schlich nachts – um den armen Vater nicht zu beschämen – heimlich zu dessen Haus, stieß vorsichtig ein Fenster auf und legte den vergoldeten Apfel leise auf das Fensterbrett. Dann ging er unbemerkt nach Hause.

Am anderen Morgen entdeckte die jüngste Tochter den Apfel und rannte damit zum Vater, der noch schlief. Sie weckte ihn und zeigt ihm das kostbare Schmuckstück.

Was da für eine Freude im Haus herrschte, kannst du dir vorstellen!

Mit dem vergoldeten Apfel konnte der Vater nun alle seine Schulden bezahlen und die Familie konnte zusammenbleiben.

(…deshalb hat sich wohl auch der Brauch entwickelt, dass Kindern in der Nacht des 6. Dezember vom „Nikolaus“ Äpfel,  Nüsse und kleine Süßigkeiten in ihre Schuhe oder Stiefel gesteckt werden)

 

Der „echte“ Nikolaus (v. Lene Mayr-Skumanz)

In der Nacht hat es geschneit.

Susi läuft in den Hof.

Der Hausmeister, Herr Pokorny, hat schon Schnee geschaufelt.

Und er hat braune Asche auf den Weg gestreut.

Der Schnee ist neben der Mülltonne zu einem riesigen Haufen getürmt. Susi greift hinein und macht einen Schneeball. Und noch einen. Und noch einen.

Dann denkt sie: Ob der Schnee schon fest ist? Sie springt mit den Stiefeln hinein. Der Schnee staubt und ist rutschig.

Da geht das Fenster auf, und Herr Pokorny schaut heraus.

„Susi! Was fällt dir denn ein?“ schimpft er. „Du machst ja alles voll Schnee.“

 

Morgen ist Nikolaus.

„Kommt er oder kommt er nicht?“ fragt Susi.

Sie möchte so gern, dass er zu ihr kommt. Bei allen Kindern aus dem Kindergarten war er. Das haben sie der Tante erzählt. Im Kaufhaus war er auch. Und im Fernsehen.

„Nur zu mir kommt er nie“, sagt Susi. „Das ist gemein. Ich wünsch mir doch so sehr, dass er auch zu uns kommt.“

Mama guckt Papa an.

Papa guckt Mama an.

Dann tuscheln sie miteinander.

 

Es klingelt an der Wohnungstür.

„Geh aufmachen“, sagt Papa.

Susi macht auf.

Im Stiegenhaus steht der Nikolaus und sagt: „Guten Abend! Wohnt hier die kleine Susanne? Darf ich hereinkommen?“

Susi bringt kein Wort heraus. Sie nickt nur.

Der Nikolaus hat einen roten Schlafrock an, er hat einen weißen Wattebart und eine hohe weiße Mütze. Und an den Füßen Filzpantoffel.

„Nun, liebe Susanne!“ sag er mit tiefer Stimme. „Bist du auch immer brav gewesen?“

Susi kann immer noch nur nicken.

„Und willst du dir auch das Nägelkauen abgewöhnen?“

Er weiß alles! Susi nickt wieder.

„Kannst du vielleicht auch ein schönes Gedicht aufsagen?“ fragt er.

Susi hat im Kindergarten eines gelernt. Aber das kann sie jetzt nicht sagen. Das geht einfach nicht.

„Macht nichts.“ Der nette Nikolaus greift in seine Schlafrocktasche. Er nimmt ein Säckchen heraus. Ein rotes Krampussäckchen, obwohl es doch gar keinen Krampus gibt.

„Danke, lieber Nikolo“, sagt Susi und schaut ihn an. Da sieht sie, dass der Nikolaus die Warze vom Herrn Pokorny hat. Niemand sonst hat einen Warze gleich neben der Nase. Nur der Herr Pokorny – und er Nikolaus.

Der Nikolaus schüttelt Susi die Hand und verabschiedet sich.

Seine Filzpantoffel schlurfen die Stufen hinunter.

„Warum hat der Nikolaus keine Pelzstiefel, wenn er doch vom Nordpol kommt?“ fragt Susi.

Aber Mama sagt nur: „Siehst du, jetzt war er doch bei dir – der liebe Nikolaus“

 

In der Nacht schneit es wieder.

Susi läuft in den Hof.

Der Herr Pokorny schaufelt den Weg zu den Mülltonnen frei. Die Warze neben seiner Nase leuchtet rot.

„Guten Morgen, lieber Nikolaus“, sagt Susi.

Das steinerne Herz – eine alte ostkirchliche Legende

Ein Kaufmann war sehr reich geworden, konnte aber nie genug bekommen und wollte immer noch mehr verdienen. Als er eines Tages auf Reisen war, erschien ihm der Teufel: „Möchtest du reicher werden  als alle anderen?“, fragte er ihn.
„Nichts lieber als das!“, antwortete der Kaufmann. „Was muss ich dafür tun?“ – „Du musst mir dafür dein Herz geben“, sagte der Verführer. Ohne zu zögern tausche der Kaufmann sein Herz gegen einen Stein. In nur einem Augenblick war sein Herz verhärtet und eiskalt. Dann verschwand der Verführer.

In den folgenden Jahren nun wurde der Kaufmann reicher als alle anderen Menschen, aber auch immer verlassener und einsamer.

Als er eines Tages wieder dorthin kam, wo ihm der Verführer einst sein Herz genommen hatte, begegnete ihm der Bischof Nikolaus von Myra.

„Warum bist du so traurig?“, fragte er den Kaufmann. Da erzählte der reiche Mann seine Geschichte. Der Heilige hatte Mitleid mit ihm und tröstete ihn: „Du kannst wieder glücklich werden, wenn du mit deinem Geld Gutes tust, wenn du den Armen, Kranken und Bedürftigen hilfst. Geh in die Häuser der Krankheit und des Hungers und lerne dort die Not der Menschen sehen, und dann versuche sie zu lindern“.

Der Kaufmann tat, wie der Bischof Nikolaus ihm geraten hatte. Mit jedem guten Wort und jeder helfenden Tat schmolz der Stein in seiner Brust, und stattdessen gewann er sein eigenes weiches, fühlendes Herz wieder zurück.

Als er starb, war aus dem armen Reichen ein reicher Armer geworden.

Was ist eine Legende?

Legenden sind Erzählungen vom Leben der Heiligen. Früher wurden sie vor allem von Nonnen und Mönchen beim Stundengebet (das sind Gebetszeiten, wie sie noch heute in den Klöstern gehalten werden) und bei Tisch gelesen (im Kloster ist es nicht üblich, während dem Essen zu reden). Diese Lebensbeschreibungen sollten die Menschen ermutigen, ein christliches Leben zu führen.